16.06.2010, 08:40 Uhr | Von Christoph Sator, dpa
Zapfenstreich für Horst Köhler (Foto: dpa)
Mit großen Zapfenstreichen haben die Musiker der Bundeswehr inzwischen eine gewisse Erfahrung. Am Dienstagabend spielte das Stabmusikkorps wieder auf, um einen hohen Repräsentanten der Republik vorzeitig zu verabschieden - bereits zum dritten Mal seit Beginn der schwarz-gelben Koalition. Erst Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung, dann Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und jetzt den bisherigen BundespräsidentenHorst Köhler. Und jedes Mal hatte der verfrühte Abgang etwas mit dem Afghanistan-Einsatz zu tun.
Im Unterschied zu den beiden anderen Fällen gibt Köhlers Rücktritt Ende Mai den meisten in Berlin immer noch Rätsel auf. Viele zweifeln weiterhin daran, dass die öffentliche Kritik an seinen Äußerungen zu den Auslands-Einsätzen der Bundeswehr der wahre Grund dafür war. Das Staatsoberhaupt a.D. lieferte aber auch am Tag des offiziellen Abschieds zunächst keine weiteren Erläuterungen.
In einer letzten Personalversammlung im Schloss Bellevue bedankte sich der Ex-Präsident für die "wunderbare Unterstützung", die ihm in sechs Jahren Amtszeit zu Teil geworden sei. Man könne stolz sein auf die geleistete Arbeit, sagte Köhler vor den etwa 120 Mitarbeitern. "Es war mir ein Herzensanliegen, Ihnen allen die Hand reichen zu können." Nach vier Minuten war die Rede vorbei. Zu den Umständen seines Rücktritts sagte Köhler wieder kein Wort.
Anschließend gab es Applaus und noch ein Gruppenfoto. Mit jedem Einzelnen unterhielt sich der jüngste Alt-Präsident noch einmal persönlich. Den Mitarbeitern, deren Arbeitsverträge an ihn persönlich gebunden waren, machte Köhler mit den Worten Mut, er hoffe für alle auf eine "gute Lösung". Zudem bekam jeder noch ein Bild des ehemaligen Chefs, auf dem der eigene Name eingraviert wurde.
Um die eigene Zukunft muss sich der neunte Bundespräsident keine großen Sorgen machen. Köhler bekommt nach einem Gesetz aus dem Jahr 1953 das gleiche Gehalt wie bisher. Derzeit sind das 199.000 Euro pro Jahr als "Ehrensold". Zudem hat er das Recht auf eigenes Büro, Dienstwagen, Büroleiter und persönliche Sekretärin. Die Dienstvilla muss er räumen. Ob er mit seiner Frau Eva Luise in Berlin bleiben wird, weiß man noch nicht.
Dass Köhler trotz seines ungewöhnlichen Rücktritts großen Wert auf einen ordentlichen Abschied legt, wurde auch bei den Planungen für diesen Abend deutlich. Vor dem Zapfenstreich stand im Schloss ein letzter Empfang auf dem Programm. Neben Familie, Freunden und Weggefährten waren dazu auch die Vertreter der anderen Verfassungsorgane geladen: Die Kanzlerin gehörte ebenso dazu wie der Vizekanzler, der Bundestagspräsident und Bremens Bürgermeister als derzeitiges Staatsoberhaupt.
Unter den 200 geladenen Gästen war auch Richard von Weizsäcker - gewissermaßen als Vertreter der anderen Alt-Präsidenten - sowie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Mit der vielen Prominenz sollte wohl auch Gerüchten entgegengetreten werden, der populäre Präsident sei von den Parteien aus dem Amt getrieben worden. Bei den bisherigen Zapfenstreichen für ausgediente Präsidenten waren die anderen Verfassungsorgane noch nie dabei.
Das letzte Protokoll stand dann um 22 Uhr an: Der Zapfenstreich begann traditionell mit dem Aufmarsch der Ehrenformation und dem Yorck'schen Marsch. Drei Stücke durfte sich Köhler selbst aussuchen: den "Geschwindmarsch aus Quadrillen" von Johann Strauss (Vater), einen Marsch aus der Zeit des "Alten Fritz", mit dem er des öfteren Staatsgäste begrüßen ließ, sowie den "St. Louis Blues", einen Jazz-Klassiker.
Das lebhafte Stück hat einen ziemlich traurigen Text. Die Anfangszeile lautet: "Ich hasse es, die Abendsonne untergehen zu sehen" ("I hate to see that evenin' sun go down"). Viel mehr Hinweise auf seine Gefühlslage leistete sich Köhler weiterhin nicht.
Quelle: dpa
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