19.07.2011, 20:36 Uhr
Ein junger Mann ist mit einer Platte voll mit Rasierschaum auf den 80-jährigen Medienunternehmer losgegangen.
Zwischenfall bei der Befragung zum Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung "News of the World": Ein Mann bewarf den Medienunternehmer Rupert Murdoch bei der Anhörung im britischen Parlament mit einer Schaumtorte. Berichten des TV-Senders "Sky News" und der Zeitung "The Guardian" zufolge handelte es sich bei dem Angreifer um den Komiker Jonnie Marbles, der die Tat offenbar über den Onlinedienst Twitter angekündigt hatte.
Die Polizei bestätigte zunächst nicht, dass der festgenommene Mann tatsächlich Marbles ist. Der Angreifer warf einen Teller mit einer weißer Schaumtorte auf Murdoch, der an der rechten Schulter getroffen wurde. Murdochs Frau Wendi Deng sprang auf und griff ihrerseits den Mann an. Nach der turbulenten Szene wurde die Befragung für zehn Minuten unterbrochen, danach aber fortgesetzt.
Unterdessen haben sich James und Rupert Murdoch bei ihrer Aussage betroffen gezeigt, völlige Offenheit angekündigt – aber jede Verantwortung für die illegale Abhöraktion ihrer Zeitung „News of the World“ zurückgewiesen. Die Schuld liege bei einigen ihrer Angestellten, die die Aktionen hinter ihrem Rücken durchgeführt hätten – möglicherweise auch ohne Wissen der Chefredaktion. Die Mitglieder des Unterhauses zweifelten daran offensichtlich, konnten den beiden Geschäftsleuten mit Fragen einheizen, kamen bei ihrer Befragung aber nicht entscheidend voran.
James Murdoch entschuldigte sich erneut für die Abhöraktion von "News of the World", sein Vater Rupert ergänzte: "Das ist der demütigste Tag meines Lebens" und "Ich war schockiert und abgestoßen, als ich vom dem Skandal hörte." Dann seien sofort Schritte eingeleitet worden, um den Fall aufzuklären - das sei aber nicht seine Sache, sondern Aufgabe der Anwälte.
Im Abhörskandal um seinen Medienkonzern bestreitet der Firmenchef jede Kenntnis über die Abhörmethoden seiner Mitarbeiter. zum Video
Murdoch senior verwies mehrmals darauf, dass er sehr wenig über die Vorgänge bei der Skandalzeitung wusste – er würde schließlich ein Unternehmen leiten, an dessen Umsatz „News of the World“ nur einen Anteil von einem Prozent hatte. Falls seine Aussage der Wahrheit entsprach, war er von den Vorgängen bei "News of the World" völlig ahnungslos, auch wenn er zugab, jeden Tag mit seinem Sohn James, der die europäischen Aktivitäten von News Corp. leitet und Rebekah Brooks, seiner Statthalterin in Großbritannien, in Kontakt gestanden zu haben. Der 80-Jährige machte teilweise einen überforderten Eindruck, muss mehrmals nachfragen. Sein Sohn James sprang bei den Antworten immer wieder für ihn ein und sprach dann fast ausschließlich. Brooks sagt nach den beiden Murdochs aus.
James Murdoch sagte, er sei überrascht und schockiert darüber, dass News Corp. die Anwaltskosten für einen Reporter gezahlt habe, der fremde Telefone abgehört hatte. Der Journalist Clive Goodman wurde 2007 zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er die Mailboxen von Mitarbeitern des Königshauses gehackt hatte. Er habe nicht gemerkt, dass die Zahlungen an den "News of the World"-Journalisten gegangen seien, und sei sich nicht sicher, wer dafür verantwortlich gezeichnet habe, erklärte James Murdoch.
Er habe nichts von den Abhöraktionen der Journalisten im "News of the World"-Skandal gewusst. zum Video
Unterdessen wurde auch die frühere Chefin des Skandalblattes, Rebekah Brooks, vor dem Untersuchungsausschuss angehört. Sie sagte, die Beschäftigung von Privatdetektiven sei über Jahre bei britischen Zeitungen weit verbreitet gewesen. Sie habe gewusst, dass auch das zum Konzern gehörende Sonntagsblatt Ende der 1990er Jahre Privatermittler beschäftigte, so wie "jede andere Zeitung" auch.
Allerdings sei in ihrer Zeit als Chefredakteurin ihres Wissens nach dabei alles mit rechten Dingen zugegangen. Außerdem seien die Ermittler im Zusammenhang mit einer Kampagne der Zeitung gegen Pädophile und damit für einen legitimen Grund im Einsatz gewesen.
Brooks war nach ihrer Zeit als Chefredakteurin bei "News of the World" zur Top-Managerin in Murdochs britischem Konzernarm News International aufgestiegen. Im Zuge des Skandals um illegale Abhör- und Bestechungsmethoden bei der Zeitung war sie vor wenigen Tagen zurückgetreten und von der Polizei verhört worden. Sie hatte abgestritten, von illegalen Methoden gewusst zu haben. Vor dem Ausschuss betonte sie erneut, dass sie nicht in die Zahlung von Bestechungsgeldern an Polizei verwickelt gewesen sei.
In der Presseabteilung der Londoner Polizei arbeiteten nach Aussage des früheren Polizeichefs Paul Stephenson zehn Mitarbeiter, die zuvor für das Medienimperium von Rupert Murdoch tätig waren. Stephenson sagte bei der Anhörung aus und berichtete dabei, dass - obwohl fast ein Viertel der Presseabteilung zuvor bei News International, dem britischen Verlag Murdochs, gewesen waren - es keine missbräuchlichen Verbindungen zu dem Medienkonzern gegeben habe.
Derweil wurde die Webseite der britischen Boulevardzeitung "The Sun" gehackt, Besucher wurden zu einer gefälschten Meldung über einen angeblichen Selbstmord Murdochs weitergeleitet. Laut einem CNN-Bericht bekannte sich die Hackergruppe Lulz Security via Twitter zu dem Angriff. Die Gruppe kündigte weitere Cyberattacken in den kommenden Tagen an. Lulz Security hatte sich bereits auf Webseiten von Unternehmen wie Sony und auch des US-Senats gehackt.
Unterdessen wächst der Druck auf Premierminister David Cameron. Inzwischen sieht er sich mit offenen Rücktrittsforderungen konfrontiert. "Wann tut der zwielichtige Dave endlich das, was sich gehört, und tritt zurück?", sagte der Labour-Parlamentarier Dennis Skinner. Sein Parteifreund Gerald Kaufman fragte: "Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?" Oppositionsführer Ed Miliband warf Cameron einen "katastrophalen Einschätzungsfehler" vor, als er den ehemaligen Chefredakteur der Skandalzeitung, Andy Coulson, zu seinem Regierungssprecher machte.
Auch aus seiner eigenen konservativen Partei wurde Kritik an Cameron laut, weil er trotz der Affäre seine geplante Reise nach Südafrika antrat. Der Regierungschef musste den Besuch nun verkürzen und soll bereits heute nach London zurückkehren. An diesem Mittwoch will er im Parlament sprechen. Die Parlamentsferien wurden eigens um einen Tag hinausgezögert. Am Montag hatte Innenministerin Theresa May für Cameron in die Bresche springen müssen.
Am Dienstag war herausgekommen, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks als Gast bei Camerons Feier zum 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es war die 27. Begegnung Camerons mit Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden.
Rebekah Brooks war von 2000 bis 2003 Chefredakteurin des inzwischen eingestellten Blatts "News of the World". Dessen Reporter hatten die Telefone von 4000 Prominenten, Verbrechensopfern, Hinterbliebenen und Soldatenwitwen illegal abgehört. Andy Coulson persönlich soll Geldanweisungen abgezeichnet haben, mit denen Polizisten bestochen wurden. Camerons früherer Wahlkämpfer war bereits am 8. Juli vorübergehend festgenommen worden - unter anderem wegen Korruptionsverdachts.
Bereits am Montag war Cameron vom zurückgetretenen Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson in Bedrängnis gebracht worden. Stephenson hatte seinen Rücktritt damit begründet, dass er den stellvertretenden Chefredakteur von "News of the World", Neil Wallis, als Medienberater eingestellt hat.
Am Montag starb überraschend der Hauptbelastungszeuge gegen Coulson. Der Journalist Sean Hoare wurde tot in seiner Wohnung gefunden. Zeichen für ein Verbrechen gebe es nicht, teilte die Polizei mit. Hoare hatte im vergangenen Jahr in einem Interview der "New York Times" erklärt, Coulson habe vom Anzapfen der Telefone nicht nur gewusst, sondern ihn persönlich sogar angestiftet, "die schwarzen Künste" zu nutzen. Der 2005 bei der "News of the World" gefeuerte Journalist galt als alkoholabhängig.
Quelle: t-online.de , AFP , dpa
Analytiker schrieb:
am 19. Juli 2011 um 20:13:25
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Angriff auf Murdoch
Meine sehr geschätzten Leser ! Dieser Rupert Murdoch ist weder ahnungslos , noch senil . Nein , er versteht es
brilliant , Strategien und Taktiken ein - und umzusetzen , um stets seriös zu erscheinen , seit Jahrzehnten schon . Er vermag es auch , Chefredakteure zu delegieren ,um für ihn büßen zu lassen . Seine "Verbindungen"in die Politik kamen ihm schon damals ,in den 80ern , für Vieles zugute . Wenn man ihm jetzt seine "Ahnungslosigkeit" abnimmt , dann hat er es wieder mal ges
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archimedes schrieb:
am 19. Juli 2011 um 19:40:41
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@werner
für das ereignis in duisburg war nur die spass-event-gesellsschaft verantwortlich, was kohl verheimlichte, passiert heute jede
sekunde.
thema verfehlt setzen! - sechs
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hanserl schrieb:
am 19. Juli 2011 um 19:39:12
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geheim schrieb
@geheim haben sie noch nicht mitbekommen dass man mit einer vorgegebenen
"Amnesie/oder auch Black out/oder auch Suff
genannt vor einem gericht
gerade in deutschland die besten chancen hat ungestraft davon zu kommen ?
in anderen länder ist das nicht anders.das ist global so.also bei der nächsten anzeige und straftat sofort nix mehr wissen wollen/können.
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