
12.12.2011, 13:33 Uhr | Von Ulrike Putz, Beirut
Haben die Iraner wirklich das legendäre "Biest von Kandahar" erbeutet - oder präsentieren sie der Welt nur eine Attrappe? Experten jedenfalls sind nicht überzeugt von Teherans Version: Das im Staats-TV gezeigte Fluggerät sehe an einigen Stellen verdächtig aus.
Auf den zweiten Blick kommen Fragen auf: Am Donnerstagabend hatte Iran der Welt in seinem Staats-TV eine scheinbar intakte US-Drohne vorgeführt, die die iranische Spionageabwehr mittels eines Cyber-Angriffs erbeutet haben will. Doch nach dem genauen Studium des Bildmaterials meldeten einige Luftfahrtexperten am Freitag Zweifel an der iranischen Version der Geschichte an.
John Pike, Fluggerätexperte beim US-amerikanischen Global Security Institut, fühlt sich beim Anblick des Flugobjekts an Pappmaché-Aufbauten auf einem Karnevalswagen erinnert. Es sei höchst unwahrscheinlich, dass die Iraner über die Technologie verfügten, um sich in die Steuerung einer Drohne zu hacken und sie dann halbwegs sicher zu landen, sagte Pike dem britischen "Guardian". "Und für etwas, das abgestürzt ist, sieht das Ding verdächtig gut aus", so Pike über das cremefarbene Objekt, das er für eine Attrappe hält. Bei der echten Drohne vom Typ RQ-170 bögen sich die Flügel an der Spitze nach oben, in diesem Fall sackten sie jedoch nach unten ab.
Andere Experten halten das Flugobjekt zwar für authentisch, bezweifeln jedoch die iranische Geschichte von deren Kaperung per Computer. Stattdessen könne ein Unfall, menschliches oder technisches Versagen dazu geführt haben, dass die Drohne in feindlichem Territorium eine Bruchlandung hingelegt habe.
Zwischenzeitlich befanden sich sechs Botschaftsangestellte in der Gewalt der Studenten in Teheran. zum Video
Tatsächlich halten die Fernsehbilder des angeblich unversehrten Flugkörpers einer genaueren Inspektion kaum stand. So scheinen die Flügel mit einer Art Klebeband an den Rumpf angeklebt worden zu sein. Zudem ist der Unterbau der angeblichen Drohne auf den TV-Bildern mit Tarnnetzen abgehängt, das Fahrgestell ist nicht zu sehen. Es könnte bei einer Bruchlandung beschädigt oder gar abgerissen worden sein, mutmaßen Experten deshalb. Richard F. Healing, Berater in der US-Luftfahrtindustrie, sagte der "New York Times", es sei möglich, dass die Drohne abgestürzt sei, ohne völlig zerstört worden zu sein. Drohnen seien letztlich Segelflieger. Wenn einer zum Beispiel der Treibstoff ausgehe, könne sie trotzdem "sanft runterkommen".
Auch Peter Singer, ein Experte für vom Militär genutzte Roboter an der Brookings Institution in Washington, sagte der "New York Times", es könne viele Gründe geben, warum die Drohne in iranische Hände gefallen sei. So könnten die Computer, die solche Flugkörper steuern, durch Signale vom Boden in die Irre geführt werden - auch so könnte der Verlust des Spähers zu erklären sein.
Am vergangenen Sonntag hatte Teheran gemeldet, eine "Einheit zur elektronischen Kriegsführung" habe über der Stadt Kaschmar, rund 225 Kilometer von der afghanischen Grenze entfernt, ein unbemanntes Spionageflugzeug der USA abgeschossen. Nachdem die USA sich zunächst gar nicht zu dem Vorfall äußerten, mussten sie später einräumen, dass es sich um eine Drohne vom Typ RQ-170 Sentinel handeln könnte, die den US-Truppen in Afghanistan Ende vergangener Woche abhanden gekommen sei.
Am Donnerstag dann wurde bekannt, dass die Drohne, die in Afghanistan als "Biest von Kandahar" bekannt ist, wohl nicht zufällig in den iranischen Luftraum geraten war. Laut "New York Times" sollte sie für den US-Geheimdienst CIA iranische Atomanlagen orten. Es handele sich um eine der geheimsten Missionen der USA mit dem Ziel, Informationen über Iran zu sammeln. Das berichtete die Zeitung unter Berufung auf ausländische und US-Beamte, die mit der Mission vertraut seien.
Die öffentliche Zurschaustellung der Drohne war der Versuch Irans, die USA vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu demütigen. "Sie wollten Iran ausspionieren, aber es ist nach hinten losgegangen", frohlockte der Nachrichtensprecher angesichts der Drohnen-Saga. "Die Weisheit Irans bereitet den Amerikanern schlaflose Nächte."
Die Erbeutung der Drohne ist im Kampf um die Sympathie der Weltöffentlichkeit ein kleiner Sieg für Iran. Zuvor hatte es reihenweise Rückschläge gegeben. Im Oktober wurde bekannt, dass Iran ein Attentat auf einen saudischen Diplomaten in Washington geplant haben soll. Anfang November musste Teheran erneut eine Schlappe hinnehmen: Die Atomaufsichtsbehörde IAEA urteilte in einem Bericht, dass Iran vermutlich an Atomwaffen arbeite. Es war das erste Mal, dass die IAEA so deutlich Stellung gegen Iran bezog.
Mitte November dann kam es nahe Teheran zu einer Explosion in einer Anlage, die vermutlich ein Testzentrum für hochentwickelte Raketen war. Es war die letzte einer ganzen Reihe von ungeklärten Detonationen, die Irans Waffenprogramm und führende Atomwissenschaftler zum Ziel zu haben scheinen.
Dass sie die USA der Spionage überführen konnte, scheint die Führung um Präsident Mahmud Ahmadinedschad nun in Hochstimmung versetzt zu haben. "Diese Aktion hat die nationale Moral gehörig gesteigert", sagte Saadullah Zareie, ein regimetreuer iranischer Analyst, der "Washington Post". "Nun wird der Westen begreifen, dass es nicht so einfach ist, sich mit Iran anzulegen. Und diejenigen, die Obama zu einem Angriff auf Iran raten, wissen offensichtlich nicht, worüber sie reden."
Quelle: Spiegel Online
Sigi schrieb:
am 15. Dezember 2011 um 14:46:09
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US-Drohne
So,so es soll also eine Attrappe sein - komisch nur, dass die die Amis diese zurückhaben wollen!
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W.N. schrieb:
am 13. Dezember 2011 um 12:33:32
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Pappmaschee Drohne
Ich wundere mich immer wieder über die klugen Experten! Seien es die Militärexperten, als auch die Terrorismusexperten
oder Wirtschaftsexperten (inklusive der Medienexperten) die sind doch alle so blöd (eigentlich sollte man Namen nennen, aber so viele gingen gar nicht auf eine oder zwei Seiten), In den Talk-show sieht man immer wieder solche (hochbezahlten) Klugscheisser! Was ist das für eine Gesellschaft?!!!
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Hajü schrieb:
am 12. Dezember 2011 um 10:50:17
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zwei
Der wichtigste Aspekt der Bilder ist natürlich - dass die eigentliche eigentliche Demütigung der USA durch das Zeigen einer irelativ
ntakten Drohne passiert. Das eigentliche Thema des Kriegs in den Medien ist hier die Cyyberwarfront. Die Drohnen sind abhängig von fly-by-wire, von Navigation, von Datenverschlüsselung. Hier wird suggeriert, die Drohe sei gehackt worden. Zweiter Schritt, dies Teil kann dem Absender selbst zur Bedorhung werden.
Kontext: Angriff auf die Uranzentrifugen mit Stuxnet..
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