Retter suchen fieberhaft nach Überlebenden des Erdbebens in Italien (Foto: AP)
Rund 30 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben in Italien konnte eine 98 Jahre alte Frau unverletzt aus den Trümmern ihres Hauses in Onna geborgen werden. Unterdessen erhöhte sich die Zahl der Opfer auf 228. Die Abruzzen-Region wurde am Dienstagabend erneut durch ein starkes Nachbeben erschüttert. Dadurch soll es weitere Opfer gegeben haben.
Retter fanden die 98-jährige Maria d'Antuono am Dienstagmorgen, wie der Fernsehsender Sky TG24 berichtete. Sie sei bei guter Gesundheit. Die alte Dame berichtete nach ihrer Rettung, sie habe die ganze Zeit gehäkelt, während sie auf Hilfe wartete.
Bis zu 7000 Rettungskräfte suchen weiterhin nach Überlebenden der Katastrophe. Dabei werden sie von unzähligen freiwilligen Helfern unterstützt. Bisher konnten 150 Überlebende aus dem Schutt ihrer Häuser befreit werden. Dutzende Menschen werden nach dem Beben der Stärke 5,8 bis 6,2 noch vermisst. Etwa 1500 Menschen wurden verletzt, 17.000 sind obdachlos.
Heftiges Nachbeben fordert weitere Opfer
Mehr als 280 teils heftige Nachbeben erschwerten die Bergungsarbeiten. Erst am Dienstagabend wurde die Region durch ein Beben der Stärke 5,3 erschüttert. Dabei habe es weitere Opfer gegeben, berichteten italienische Medien. So sei unter anderem ein Mensch in Santa Rufina di Roio gestorben.
In L'Aquila übernachteten dutzende Überlebende aus Angst vor neuen Erdbeben bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in ihren Autos. Andere Erdbebenopfer wurden in Kasernen, Stadien und Sporthallen untergebracht, viele flüchteten aus der Katastrophenregion und suchten Unterkunft bei Freunden oder Verwandten. Hotels in der Region stellten mehr als 13.000 Betten für Betroffene bereit. Berlusconi kündigte die Errichtung von 20 Zeltlagern mit 16 Feldküchen an, die 14.500 Menschen aufnehmen könnten.
Das Erdbeben in Italien (Grafik: dpa)
Warten auf Hilfe aus Brüssel
Aus allen Teilen Italiens trafen unterdessen erste Hilfslieferungen ein. Berlusconi stellte 30 Millionen Euro als Soforthilfe in Aussicht. Zudem hofft Italien auf Aufbauhilfen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro aus Brüssel. Der Regierungschef rief den Notstand aus und sagte eine Reise nach Moskau ab.
Das verheerende Erdbeben, das in der Nacht zu Montag in ganz Mittelitalien zu spüren gewesen war, hatte die Menschen um 3.32 Uhr überrascht. Ganze Wohnblocks in L'Aquila klappten wie Kartenhäuser zusammen. L'Aquila ist das Industrie- und Verwaltungszentrum der Region Abruzzen. Die Stadt hat 70.000 Einwohner. Betroffen sind auch 26 Ortschaften rund um L'Aquila. So wurde die Kleinstadt Onno praktisch dem Erdboden gleichgemacht.
Italien immer wieder von Beben heimgesucht
Das Beben war das schwerste in Italien seit fast 30 Jahren. Am 23. November 1980 wurden bei einem Erdstoß der Stärke 6,9 im Süden des Landes rund 3.000 Menschen in den Tod gerissen. Zuletzt wurde Italien am 31. Oktober 2002 von einem heftigen Beben heimgesucht. Bei dem Erdstoß der Stärke 5,4 wurden 28 Menschen in der Region Molise getötet. 27 von ihnen waren Kinder, deren Schule einstürzte.