12.09.2011, 11:16 Uhr
Zehn Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben die USA auf einen der erschütterndsten Tage ihrer Geschichte zurückgeblickt (zur Foto-Serie). Im Zentrum des Gedenkens an die fast 3000 Opfer stand am Sonntag eine bewegende Zeremonie am Ground Zero in New York, wo Extremisten des Terrornetzwerks Al-Kaida das World Trade Center mit gekaperten Flugzeugen zum Einsturz gebracht hatten.
Hinterbliebene verlasen in New York die Namen der Opfer, unterbrochen von musikalischen Einlagen und kurzen Ansprachen. Neben US-Präsident Barack Obama nahmen auch sein Vorgänger George W. Bush sowie New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg an der Veranstaltung teil, die vor der Kulisse der in den Himmel wachsenden Neubauten des World Trade Centers stattfand.
Es war eine "stille Trauer" ohne falsches Pathos. "Wir vermissen Dich. Wir lieben Dich. Es geht uns gut und unsere Kinder sind großartig, aber Du fehlst uns so", sagte ein Angehöriger während der Zeremonie. Auch Deutsche waren damals unter den Opfern. Jeder Name dauerte etwa eine Sekunde. Oftmals sprachen die Trauernden mit gebrochener Stimme, wischten sich Tränen aus dem Gesicht.
Am Ground Zero wurde ein 9/11-Mahnmal eröffnet, das aus zwei in den viereckigen Fundamenten der eingestürzten Zwillingstürme eingelassenen Granitbecken besteht. Obama selbst hielt keine Rede, sondern las stattdessen den 46. Psalm aus dem Alten Testament der Bibel vor. "Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt wankt und die Berge ins Meer sinken", heißt es darin.
Mit sechs Schweigeminuten riefen die Teilnehmer die tragischen Ereignisse zurück ins Gedächtnis. Sie verharrten still zu den Uhrzeiten, an denen die beiden Passagierflugzeuge in das World Trade Center rasten und die Zwillingstürme einstürzten. Auch an den Einschlag eines Flugzeugs ins Pentagon in Washington und den Absturz einer vierten entführten Maschine nahe Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania wurde auf diese Weise erinnert.
Am Pentagon gedachten Vizepräsident Joe Biden und Verteidigungsminister Leon Panetta der 184 Menschen, die dort gestorben waren. In Shanksville kamen Hinterbliebene der 40 getöteten Passagiere und Bordmitglieder der dort abgestürzten Maschine zusammen. "Lasst uns den Horror von 9/11 niemals vergessen", sagte der Präsident der Opfervereinigung von Flug 93, Gordon Felt. Obama flog von New York nach Shanksville und legt dort einen Kranz zum Gedenken an die Opfer nieder.
Das Gedenken war von neuen Terrorwarnungen überschattet worden. Obama rief nach Beratungen mit seinem Sicherheitskabinett am Samstag zu "erhöhter Wachsamkeit" auf. Die US-Geheimdienste haben Hinweise darauf, dass Terroristen Anschläge mit Autobomben verüben könnten. In New York und anderen Großstädten galten daher scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Wegen eines Sicherheitsalarms wurde am Samstag der größte Flughafen von Washington, Dulles International, teilweise geräumt. Sprengstoffexperten der Polizei, die nach Angaben eines Sprechers einen "verdächtigen Gegenstand" in einem Fracht-Container untersuchten, gaben nach vier Stunden Entwarnung.
Was sich an Bord der entführten Flugzeuge abspielte. zur Grafik
In seiner wöchentlichen Radioansprache hatte Obama angekündigt, den Kampf gegen den Terror entschlossen fortzusetzen. "Wir werden das Land, das wir lieben, schützen und es sicherer, stärker und wohlhabender an die nächste Generation übergeben," erklärte der Präsident. "Heute ist Amerika stark, Al-Kaida aber ist auf dem Weg zur Niederlage". In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender NBC sagte Obama, dass die Menschen in den USA am 11. September 2001 in der Stunde des Leids zusammengestanden hätten. "Wir haben unsere Werte bewahrt. Wir haben unseren Charakter bewahrt", sagte er.
Ex-Präsident George W. Bush hatte schon zuvor an die 40 Opfer erinnert, die am 11. September in dem entführten "Flug Nummer 93" den Terroristen Widerstand geleistet hatten. "Die Lektion des 11. September ist, dass das Böse wirklich existiert - aber auch der Mut", sagte Bush. Ihr Widerstand sei "eine der mutigsten Taten in der amerikanischen Geschichte", sagte Bush vor Hinterbliebenen der Opfer in Shanksville.
Dort hatten vor zehn Jahren Passagiere eine von Terroristen entführte Maschine zum Absturz gebracht. Alle 44 Insassen starben, darunter auch vier Entführer. Die Passagiere hatten damals über Flugzeugtelefone von den Anschlägen in New York erfahren und befürchtet, dass auch ihre Maschine Unheil anrichten sollte. Sie stürmten das Cockpit und kämpften mit den Terroristen. Später stellte sich heraus, dass die Entführer die Maschine ins Weiße Haus oder ins Kapitol stürzen wollten.
Die ersten Gedenkfeiern zum zehnten Jahrestag der Anschläge hatte es am frühen Sonntagmorgen (mitteleuropäischer Sommerzeit) im Pazifikraum gegeben. Politiker und Angehörige der Toten versammelten sich in New Plymouth in Neuseeland zu einem Gottesdienst, unter ihnen auch die Mitglieder des amerikanischen Rugby-Teams, das derzeit für die Weltmeisterschaft im Land ist. US-Botschafter David Huebner, dessen Bruder den Anschlag auf das World Trade Center überlebte, verurteilte bei der Veranstaltung den "brutalen Mord an 3.000 Menschen", lobte aber auch einen "Triumph der menschlichen Güte" nach den Attacken.
Auch in Malaysia und Australien gedachten Familien ihrer Angehörigen, die bei den Anschlägen auf das World Trade Center getötet wurden. In Tokio verharrten Trauernde vor einem Stück Stahl von Ground Zero in Erinnerung an 23 Bankangestellte, die bei den Anschlägen ihr Leben verloren.
Bundespräsident Christian Wulff fordert anlässlich des zehnten Jahrestages der Terroranschläge in den USA eine "Allianz der Kulturen und der Religionen". Dies sei "der entscheidende Weg zum Frieden", sagte Wulff am Sonntag beim Internationalen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio im München. Sowohl für das Juden- und das Christentum als auch für den Islam gelte der Satz: "Religion ist keine Lizenz zum Töten."
Wulff betonte, die Anschläge vom 11. September 2001 seien "ein Angriff auf unsere gemeinsamen Werte" gewesen. Diese Werte müssten gerade auch im Kampf gegen den Terrorismus geachtet werden.
Drei Frauen sprechen über die dramatischen Minuten der Flucht aus dem World Trade Center. zum Video
Papst Benedikt XVI. betete am Sonntag zum Abschluss eines Gottesdienstes in Ancona für die Opfer der Terroranschläge und ihre Angehörigen. Er appellierte, die Welt müsse der "Versuchung zum Hass widerstehen. Gewalt könne keine Lösung für Probleme sein, mahnte der Papst.
Für die Arbeit in der Gesellschaft müssten die Prinzipien der Solidarität, Gerechtigkeit und des Friedens gelten. Am Samstag hatte der Papst schon in einer Botschaft an die USA erklärt, dass im Namen Gottes keine Gewalt ausgeübt werden dürfe.
Zum Zehnten Jahres der Terroranschläge lebten aber auch die üblichen 9/11-Verschwörungstheorien wieder auf. Der malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohammed schrieb in seinem Blog, arabische Muslime könnten solche Anschläge gar nicht planen. Es sei nicht undenkbar, dass der damalige US-Präsident Bush gelogen habe, als es um die Verantwortlichen gegangen sei. Der Einsturz der Türme des World Trade Centers habe auch mehr wie ein geplanter Abriss gewirkt. In Pakistan protestierten radikale Muslime gegen das Gedenken an die Anschläge.
In Afghanistan erklärten die radikalislamischen Taliban, sie hätten mit den Anschlägen nichts zu tun gehabt. Der US-Kolonialismus habe aber zehntausende arme und unschuldige Afghanen das Leben gekostet. Truppen der USA und mit ihnen verbündeter Länder waren nach den Anschlägen in Afghanistan einmarschiert, um die dort herrschende Regierung der Taliban zu stürzen, die sich geweigert hatte, die Führer der Terrororganisation Al-Kaida auszuliefern, die für die Planung der Anschläge verantwortlich war.
Selbst in New York kam es am Rande der Trauerfeier zu Zusammenstößen zwischen Verschwörungstheoretikern und Moslemgegnern. Etwa 200 Demonstranten forderten unmittelbar am Ground Zero, "die Wahrheit" über die islamistischen Anschläge auf das World Trade Center zu erfahren. Auf Transparenten behaupteten sie, die US-Regierung habe die Gebäude selbst gesprengt. Sie lieferten sich heftige Wortgefechte mit dem als Koranhasser bekanntgewordenen Pastor Terry Jones, der alle Muslime für den Angriff verantwortlich machte. Polizisten mussten die Streitenden trennen.
Quelle: AFP , dpa
6 Fl. 2010er Condesa Eylo Verdejo + Karaffe für nur 39,- € statt 72,30 €. von Hawesko
Endlos ins deutsche Festnetz telefonieren. Volle Kostenkontrolle. von congstar.de
Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special