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4. November 1989: Eine Million demonstriert auf dem Alexanderplatz

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Eine Million demonstriert auf dem Alex

13.11.2009, 09:47 Uhr | Von Gudrun Janicke, dpa

Hunderttausende demonstrierten am 4. November 1989 auf den Ostberliner Alexanderplatz (Foto: dpa) Hunderttausende demonstrierten am 4. November 1989 auf den Ostberliner Alexanderplatz (Foto: dpa)Es ist die größte friedliche Massendemonstration in 40 Jahren DDR. Nahezu eine Million Menschen strömen nach offiziellen Schätzungen am 4. November 1989 auf den Ostberliner Alexanderplatz. Freiwillig und nicht bestellt. Oppositionsgruppen und Künstler haben die Veranstaltung organisiert. Sie wollen politische Forderungen für eine demokratischere Gesellschaft durchsetzen, Versammlungs-, Meinungs- und Pressefreiheit.

Doch die Tage des Arbeiter- und Bauernstaates sind gezählt, die friedliche Revolution nicht mehr aufzuhalten. Dabei hatte sich die Partei- und Staatsführung erst einen Monat zuvor, zum 40. Jahrestag der DDR, feiern lassen. Es soll das letzte Mal sein.

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Demonstrationszug durch die Stadt

Was an jenem Novembertag in der DDR-Hauptstadt geschieht, scheint unwirklich. Seit dem Vormittag ziehen Hunderttausende durch die Innenstadt auf den Platz. Statt uniformierter Volkspolizisten fallen Frauen und Männer auf, die grün-gelbe Schärpen mit der Aufschrift "Keine Gewalt" tragen. Die 600 freiwilligen Ordner aus der Kunst- und Kulturszene wollen dafür sorgen, dass die Kundgebung gewaltlos verläuft.


Jeden Tag fliehen Tausende

Schon Mitte Oktober haben Künstler und Kulturschaffende entscheiden, für diesen Tag zu einer Protestkundgebung aufzurufen. Das Vertrauen in die DDR-Oberen ist da schon verloren. Tausende DDR-Bürger fliehen Tag für Tag in den Westen.

Honecker schon entmachtet

In Leipzig hatten am 9. Oktober schon rund 70.000 Menschen demonstriert. SED-Chef Erich Honecker ist Mitte Oktober von seinem Amt entbunden worden. Sein Nachfolger Egon Krenz hofft noch, das Schiff DDR wieder auf Kurs bringen zu können.

Angst vor Gewalt

"Es war ein eindrucksvoller Tag", erinnert sich der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maiziére an den 4. November vor 20 Jahren. "Wir wussten aber noch nicht, wie es weitergeht." Bei den Friedensgebeten und Demonstrationen hätten die Menschen Angst vor der Gewalt des DDR-Staates gehabt, erzählt er.

Pfiffige Plakate gegen den DDR-Staat

Mutig und frech werden Partei und Politiker aufs Korn genommen: Selbstgemalte Plakate tragen Aufschriften wie "Dem Land ein neues Antlitz ohne Kalk aus Wandlitz", "Trittbrettfahrer zurücktreten", "Privilegien für alle", "Radikale Wende" oder "Glasnost statt Süßmost". Honecker wird lächerlich gemacht mit dem Spruch "Die Demokratie in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf". Der abgesetzte SED-Chef hatte den Spruch eigentlich auf den vermeintlich nicht aufzuhaltenden Sozialismus gemünzt.



Wink mit dem Zaunpfahl

Tapeten werden mitgebracht und alle wissen, das geht gegen den SED-Chefideologen Kurt Hager. Mit Blick auf die Reformpolitik in Russland hatte er seine Landsleute höhnisch wissen lassen: "Würden Sie, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?"

DDR-Fernsehen berichtet

Unangekündigt überträgt plötzlich das DDR-Fernsehen die Kundgebung live. Zu den Demonstranten sprechen 22 Redner, darunter prominente Künstler. "Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen", sagt unter Applaus der DDR-Schriftsteller Stefan Heym zu den dicht an dicht stehenden Menschen. Die Schriftstellerin Christa Wolf äußert ihren Traum: "Stell Dir vor, es ist Sozialismus und keiner geht weg".



Buhrufe für Wolf, Schabowski und Krenz

In einem Pfeifkonzert gehen die Worte von Stasi-General Markus Wolf, Politbüromitglied Günter Schabowski und Krenz unter. Mit ihrem Werben für Vertrauen in die ihrer Ansicht nach neue Politik kommen sie nicht an. "Tschüss" steht in ihre Blickrichtung auf einem Plakat.

"Aus Wandlitz machen wir ein Altersheim"

Die kürzeste Ansprache hält die Schauspielerin Steffi Spira: "Aus Wandlitz machen wir ein Altersheim. Die über 60- und 65-Jährigen können dort wohnen bleiben, wenn sie das tun, was ich jetzt tue - abtreten!"

Wenige Tage später fällt die Mauer

Am selben Tag versammeln sich in Magdeburg 40.000 Menschen, in Suhl protestieren 20.000. Auch in Lauscha, Potsdam, Rostock, Plauen, Schwerin, Arnstadt, Altenburg und Dresden demonstrieren Zehntausende für Pressefreiheit, den Rücktritt der Regierung und freie Wahlen. Vier Tage später, am 8. November, tritt das Politbüro zurück. Am 9. November fällt die Mauer.


Quelle: dapd

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