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30 Jahre Aids: Neue Hoffnung auf ein Heilmittel

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Neue Hoffnung auf ein Heilmittel gegen Aids

06.06.2011, 09:28 Uhr | Von Marilynn Marchione

Timothy Brown gilt als der bislang einzige von Aids geheilte Mensch (Foto: AP) (Quelle: AP)

Timothy Brown gilt als der bislang einzige von Aids geheilte Mensch (Foto: AP) (Quelle: AP)

Vor 30 Jahren wurde in den USA das erste Mal über Aids berichtet. Dieser Jahrestag ist etwas besonderes, denn es gibt Hoffnung auf etwas, das viele für unmöglich gehalten haben: ein Heilmittel zu finden.

Timothy Ray Brown aus San Francisco ist der erste Mensch, der offenbar von Aids geheilt wurde. Seine Behandlung ist sicherlich nicht für jeden Betroffenen geeignet. Dennoch, es gibt ermutigende Anzeichen, dass eines Tages ein Heilmittel gefunden werden kann oder Infizierte zumindest mit der Krankheit leben können, ohne täglich Medikamente nehmen zu müssen.

Neuinfektionen vermeiden

Um dieses Ziel zu erreichen, werde er "alle Hebel in Bewegung setzen", sagt Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Allergie- und Infektionskrankheiten. Schwierig werde das sicherlich. Gegenwärtig müsse jedoch erst einmal alles daran gesetzt werden, Neuinfektionen zu vermeiden. Und da gibt es Fortschritte. "Langsam aber sicher haben wir das Gefühl, dass wir diese Pandemie in den Griff bekommen können", sagt Fauci.

Mehr als 25 Millionen Menschen weltweit sind an Aids gestorben, seit 1981 über die ersten fünf Fälle in Los Angeles berichtet wurde. Mehr als 33 Millionen Menschen sind mit HIV infiziert.

Nachrichten
30 Jahre Aids: Eine Seuche erschüttert die Welt

An der im Juni 1981 entdeckten Immunschwäche leiden heute mehr als 33 Millionen Menschen weltweit. zum Video

Behandlungsmöglichkeiten in Entwicklungsländern eingeschränkt

Etwa zwei Millionen Menschen sterben jährlich an der Krankheit - hauptsächlich in ärmeren Länder, wo die Behandlungsmöglichkeiten beschränkt sind. In den USA wiederum haben Menschen mit HIV heutzutage eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie Nicht-Infizierte. Die moderne Medizin macht es möglich. Im Gegensatz zu früher ist mittlerweile eine komplette HIV-Therapie mit nur einer Tablette täglich möglich.

Doch 1995, als Brown die Diagnose HIV erhielt, war das noch nicht der Fall. Der Amerikaner, der damals in Berlin als Übersetzer arbeitete, musste die Behandlung wegen der Nebenwirkungen wiederholt unterbrechen. Bis 2006 ging das so. In dem Jahr wurde bei ihm Leukämie festgestellt. Nach einer Chemotherapie war er so geschwächt, dass er in ein künstliches Koma versetzt wurde, damit sein Körper sich von den Strapazen erholen konnte.

"Sie wussten nicht, ob ich das überleben würde"

"Sie wussten nicht, ob ich das überleben würde", sagte Brown. Dem Hämatologen Gero Hütter war klar, dass eine Blutstammzellentransplantation wohl die aussichtsreichste Behandlungsmethode für Brown wäre. Doch Hütter ging noch einen Schritt weiter.

Er erinnerte sich an einen Bericht, demzufolge Menschen mit einer besonderen Genmutation immun gegenüber dem Virus sind. Bei etwa einem Prozent aller Weißen kommt das vor. Hütter schlug also vor, sich auf die Suche nach einem geeigneten Spender zu machen.

Strapaziöse Transplantation

Doch Transplantationen sind äußerst strapaziös für die Patienten. Hütter würde Browns krankes Immunsystem mit einer Chemotherapie und Bestrahlung zerstören, dann seinem Patienten die Spenderzellen transplantieren müssen und darauf hoffen, dass dessen Körper sie nicht abstößt. Viele Krebspatienten überleben das nicht, und Brown war nicht bereit, dieses Risiko einzugehen.

Seine Mutter Sharon aus Seattle war ebenfalls dagegen. "Bevor ich wusste, dass er HIV hat, hatte ich Albträume deswegen", sagte sie. Zumal der Krebs bei ihrem Sohn zu diesem Zeitpunkt scheinbar auf dem Rückzug war. Da sei es ihr unklug erschienen, alles auf eine Karte zu setzen. Doch einige Monate später kam der Blutkrebs zurück, und sie änderten ihre Meinung.

Brown sprach mit seiner Chefin über die Transplantation, "und sie sagte: 'Wow, das ist großartig. Weil du Leukämie hast, kannst du von HIV geheilt werden.'"

HIV-resistentes Gen

Mehr als 200 mögliche Spender fanden sich für Brown, und Hütter testete sie auf das Gen, das HIV-resistent macht. Er landete den Glückstreffer bei Nummer 61, einem Deutschen Mitte 20, der in den Vereinigten Staaten lebte.

Brown hatte die Transplantation im Februar 2007. Ein Jahr später kehrte die Leukämie zurück, das HIV wurde in seinem Körper aber nicht mehr nachgewiesen. Er hatte eine zweite Transplantation im März 2008 vom selben Spender.

Mittlerweile ist Brown 45 Jahre alt und braucht keine Medikamente. Seine einzigen Gesundheitsprobleme sind auf einen Überfall in Berlin vor zwei Jahren zurückzuführen. Er wurde eines Nachts bewusstlos geschlagen, musste am Gehirn operiert werden und brauchte eine Therapie, um wieder laufen und sprechen zu lernen. Ein Arm ist noch immer nicht voll funktionsfähig. Im Dezember zog Brown in die Vereinigten Staaten zurück.

Virus ist nicht mehr nachweisbar

Mittlerweile liegt seine antiretrovirale Therapie vier Jahre zurück. Das HI-Virus sei in Browns Körper nicht mehr nachzuweisen, sagte Hütter.

Hütters Erfolg inspirierte andere Wissenschaftler dazu, ähnliche, wenngleich weniger harsche, Methoden auszuprobieren: Das Erbgut der eigenen T-Zellen, einer Gruppe von weißen Blutzellen, die der Immunabwehr dient, eines Infizierten zu verändern und resistent gegen HIV zu machen. Bei Dutzenden Patienten wird dieses Verfahren derzeit durchgeführt. Ob es wirklich HIV-resistent macht, bleibt abzuwarten, sagt Jacob Lalezari, der eine der Studien leitet.

Gentherapie nicht massentauglich

Die Methode sei in ärmeren Ländern schwer vorstellbar. "Ich möchte nicht, dass die Menschen glauben, Gentherapie sei etwas, was man bei 33 Millionen Menschen durchführen kann", sagt Fauci.

Es gibt andere, vielversprechende Ansätze. Ein Heilmittel für Aids liegt dennoch in einiger Ferne. "Es gibt Wege nach vorn", sagt Michael Horberg, Mitglied des Rats von HIV/Aids-Experten, den US-Präsident Barack Obama initiiert hat. "Doch es wird nicht heute sein, und auch nicht morgen."


Quelle: dapd

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Kommentare (4)

zum Forum

Thema: "30 Jahre Aids: Neue Hoffnung auf ein Heilmittel"

juli schrieb: am 5. Juni 2011 um 19:39:45
(0) (0) gesunde Ernährung gegen AIDS
man kann AIDS nicht durch gesunde Ernährung bekämpfen und es gibt auch keine AIDS-Impfstoffe, wenn dem so
wäre, dann müsste man ja nur seine tägliche Portion Obst und Gemüse essen und schon hätte man vorgesorgt. Welche preisgünstigen Alternativen wären denn das dann bitte? Wenn du damit Kondome meinst, dann ja.
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gerhardo schrieb: am 5. Juni 2011 um 16:53:44
(0) (0) nachdenker
man muß kein freund (der ich aber bin) der sozialliberalen Koalition sein um den Gedankenursprung dieses >>Nachdenkers

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Peter schrieb: am 5. Juni 2011 um 16:10:44
(0) (1) Heilmittel
Wenn man nicht in Afrika lebt, dann sind die Ausichten heutzutage erheblich besser mittelfristig zu überleben, als noch vor 30
Jahren. Insofern ist etwas mehr Optimismus angebracht..
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