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20 Jahre Mauerfall: Mauerspecht Sarkozy macht sich in Frankreich zum Gespött

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Mauerspecht Sarkozy macht sich zum Gespött

13.11.2009, 09:49 Uhr

Sarkozy als Mauerspecht an der Berliner Mauer - angeblich schon am 9. November. Oder vielleicht doch eher am 16.?! (Foto: Nicolas Sarkozy/Facebook) Sarkozy als Mauerspecht an der Berliner Mauer - angeblich schon am 9. November. Oder vielleicht doch eher am 16.?! (Foto: Nicolas Sarkozy/Facebook)Mit einer Hacke an der Mauer - dieses Bild von sich selbst hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy voller Stolz auf seine persönliche Facebook-Seite im Internet gepostet. Es zeigt ihn als Mauerspecht in Aktion - angeblich schon an dem historischen Tag, also am 9. November 1989, als am späten Abend die Mauer in Berlin geöffnet wurde. Daran bestehen erhebliche Zweifel. Viele Franzosen spotten einmal mehr über ihren eitlen Staatschef.

Die meisten Europäer wissen, wo sie am 9. November 1989 waren - offenbar aber nicht Sarkozy. In seinem Fall ist das lückenhafte Gedächtnis doppelt peinlich. Auf seiner Facebook-Seite rühmt Sarkozy sich, am Abend des 9. Novembers vor 20 Jahren bereits als Mauerspecht an der Mauer gehackt zu haben. Am Montag dokumentierten immer mehr französische Medien, dass dies nicht der Wahrheit entsprechen könne und Sarkozy wohl erst am 16. nach Berlin gereist war. Der Élysée-Palast beteuerte am Vormittag noch, dass der damals 34-Jährige sehr wohl am 9. November in Berlin war. Später war der Sprecher nicht mehr zu erreichen.

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"Ereignis, das sich angekündigt hat"

Das entsprechende Foto hatte Sarkozy auf Facebook bereits am Wochenende veröffentlicht. Es zeigt ihn mit einem Werkzeug in der Hand an einem bunt besprühten Mauerstück. Dazu schreibt der heutige Präsident, er sei gemeinsam mit seinem Parteifreund Alain Juppé am 9. November nach Berlin gereist, "um bei dem Ereignis dabei zu sein, das sich angekündigt hat". "Wir sind dann zum Checkpoint Charlie gezogen, um auf die Ostseite der Stadt zu wechseln und endlich diese Mauer zu sehen, auf die wir einige Pickelhiebe geben konnten. Um uns versammelten sich Familien, um gegen den Beton zu schlagen", steht da weiter.

Wirre Datumsangaben

Bei Sarkozys Begleiter Juppé, in den 90er Jahren französischer Regierungschef und heute Bürgermeister von Bordeaux, gehen die Datumsangaben wild durcheinander. In einem Interview sagte er kürzlich, dass er "am 10. oder 11. November" nach Berlin gereist sei. In einer Biografie steht, es sei erst der 16. November gewesen. Auf seinem Blog im Internet betonte er erst, er sei wie Sarkozy am historischen 9. November in Berlin gewesen. Später fügte er hinzu, dass er sich an das genaue Datum nicht mehr erinnern könne. Auf die Frage, welches Datum denn nun stimme, sagte sein Sprecher: "Eines davon."

Archiv: De Gaulles Gedenkfeier

Aus dem Archiv der Zeitung "Le Figaro" geht hervor, dass Juppé am 9. November - wie jedes Jahr - bei einer Gedenkfeier zum Todestag von Charles de Gaulle war und am 16. nach Berlin reiste. Anschließend habe er erklärt, dass es sich um ein historisches Ereignis handle, "vor dem man keine Angst haben muss".

Visionär oder sehr schnell

Rein vom überlieferten Zeitablauf her mutet Sarkozys Darstellung sehr unwahrscheinlich an. Denn die Öffnung der Mauer wurde ja erst am Abend des 9. November durch Günter Schabowski ("Ein Irrtum, der Geschichte schrieb") bekannt gegeben - was sowohl anwesende Journalisten als auch westliche Politiker wie Bundeskanzler Helmut Kohl äußerst überraschte. Sarkozy hätte also entweder ein besonders gutes zeithistorisches Gespür haben müssen - oder eine besonders schnelle Verkehrsverbindung von Paris nach Berlin.

Französischer Spott

Auf Sarkozys Facebook-Profil mehrten sich nach zahlreichen positiven Kommentare deshalb auch bissige und empörte Reaktionen, die nicht mehr alle zu sehen sind. "Lügner", schimpfte einer. "Was fällt Ihnen ein, die Geschichte umzuschreiben?", meinte ein anderer. Auch in den Foren mancher französischer Nachrichtenseiten wird das Thema bereits ausführlich besprochen. Dort lästern viele über ihren Präsidenten. So schreibt "Recollé" im Forum von "Le Figaro", dass sicher auch der Satz "Ich bin ein Berliner" von Sarkozy stamme - der damalige US-Präsident John F. Kennedy hatte die berühmten Worte bei seinem Berlin-Besuch im Juni 1963 gesagt. Der User "Seingalt13" schreibt, er habe damals in der französischen Botschaft in Berlin gearbeitet. In der Botschaft habe niemand eine Ahnung davon gehabt, was am 9. November passieren würde. Es sei deshalb unglaubwürdig, wenn Sarkozy vorgebe, er habe damals von Paris aus geahnt, dass in Berlin mit dieser Entwicklung zu rechnen war.



 

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