Kurz nach dem Mauerfall wurde Helmut Dörr für einen DDR-Bürger gehalten, der unbedingt ein Guiness probieren wollte (Foto: Guiness)
Vor 20 Jahren fiel die BerlinerMauer - ein historisches Ereignis, dass das Ende der DDR und der Teilung Deutschlands besiegelte. t-online.de bat seine Leser, ihre persönliche Geschichte zum 9. November 1989 einzusenden. Von Helmut Dörr erhielten wir folgenden Beitrag:
1989 im Sommer schrieb ein guter Bekannter aus der DDR, ich müsse ihn unbedingt besuchen kommen. Es bahne sich was an im “Arbeiter- und-Bauern-Staat”. Die Unzufriedenheit der Menschen nehme von Tag zu Tag zu. In den größeren Städten komme es zu ersten Demonstrationen. Mit Herbstbeginn wurde sein Wunsch, ich möge mich endlich auf die Socken machen, um etwas mitzuerleben, dessen Dimensionen er kaum noch begreife, größer. Wörtlich schrieb er: “Wir stehen vor dem ganz großen Knall!”
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"DDR-Besuch im nächsten Frühjahr"
Irgendwie ignorierte ich das alles und beschloss, Ende Oktober erst einmal nach Dublin zu reisen, um dort Freunde zu besuchen. Die DDR, dachte ich, kannst Du nächstes Frühjahr noch aufsuchen. Ich ahnte nicht, dass das komische Land dann schon den Bach runtergegangen sein würde.
"Wie vom Donner gerührt"
Ich besuchte Dublin und meine Bekannten, wollte mit ihnen am Abend des 9. November in den Pub. Irgendwann klingelten sie Sturm, forderten mich auf, den Fernseher einzuschalten und auf einen englischen Nachrichtensender zu gehen. Ich glaube, es war “Sky News”. Über den Bildschirm flimmerte Unglaubliches. Schabowski hielt seine Pressekonferenz ab, blickte auf seinen Zettel und verkündete die Reisefreiheit. Ich war wie vom Donner gerührt. Dann kamen auch schon die Aufnahmen von den “Mauerdurchbrüchen”, von den Leuten, die jubelnd nach West-Berlin liefen an den konsterniert blickenden Vopos und Wachhabenden vorbei. Die Mauerspechte legten los, und ich starrte immer wieder ungläubig auf die Szenerie.
Erster Zonenflüchtling in Dublin
Irgendwann sagten meine irischen Bekannten “Let´s go to the Pub!”. Wir nahmen ein Taxi. Der Taxifahrer hatte die Nachrichten aus Berlin auch schon gehört. Er fragte, ob das alles Kommunisten wären, die abhauten. Ich sagte: “No, absolutely not!”. In der Kneipe angelangt, machten meine Bekannten mich kurzerhand zum ersten Zonenflüchtling, dem es gelungen sei, mit dem erstbesten Flugzeug nach Dublin zu kommen, um ein originales Guinness zu probieren. Man reichte mir die Hand und rief in den Lautsprecher, es wäre bereits ein DDR-Bürger im Pub, der sich vor Freude betrinken wolle. Da jubelte die Masse. Ich kam kaum dazu, alles richtig zu stellen: “It was only a joke”.
Mauerbrocken als Souvenir
Aber was sich in Berlin abspielte, war wirklich kein Witz. Später, als ich längst wieder in Hessen war, haben mir drei Irinnen freudestrahlend ein paar Mauerbrocken als Souvenir aus Berlin mitgebracht. Ich hoffe, es waren Originalteile.