Kuriose Diebstahlserie in NiedersachsenEmsländer Landwirte fürchten um ihre SolaranlagenErschienen am 20. Mai 2008 | aktualisiert am 20. Mai 2008 Von Alice Gundlach
Mit dem Transporter an den Stall"Und dazu kommt noch der Sachschaden", gibt Polizeisprecher Achim van Remmerden zu bedenken. Die Diebe kommen in der Nacht, fahren offenbar mit einem kleinen Transporter an die Ställe oder Häuser heran, klettern mit Leitern herauf und nehmen sich die Platten vom äußersten Rand vor. Manchmal schneiden sie sie heraus, manchmal reißen sie sie aus den Verankerungen. Sie nehmen immer genau 40 Platten mit - so viele passen in einen Kleintransporter.Hessen Rohstoffdiebe stehlen Leitplanken Kirche beklaut Kupfer vom Dach gerissen Südafrika Kupferdiebstahl bremst WM-Vorbereitungen
Vier Mal am selben StallDie Landwirte vermieten die Solaranlagen in der Regel an Firmen, die mit Solarenergie als Geldanlage handeln. Für die Bauern ist das dank staatlicher Förderung alternativer Energien ein lukrativer Nebenverdienst zum Geschäft mit Masthähnchen. Doch das Zubrot ist durch die Diebstähle in Gefahr. Mehrere Geschädigte wurden schon mehrfach Diebstahlopfer. Einen Bauern hat es im April diesen Jahres schon zum vierten Mal getroffen. "Und irgendwann sagt da die Versicherung auch: Das zahlen wir nicht mehr", weiß van Remmerden.Diebesgut verschwindet spurlosInteressant ist, dass sich die Diebstähle alle auf einem Gebiet an der Autobahn 31 zwischen Schüttorf und Reede ballen - keine zehn Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt. In ganz Deutschland gebe es so etwas nicht noch einmal, sagt van Remmerden. Hinweise auf die Täter gibt es bisher nicht die geringsten. "Wir gehen von einer organisierten Bande aus", das ist alles, was der Polizeisprecher sagen kann. Dazu ist das Diebesgut bisher nirgends aufgetaucht. Oft findet sich gestohlene Ware zum Beispiel im Internet zum Verkauf angeboten - bei den Solarzellen Fehlanzeige. Spricht das eventuell für Auftragsdiebstahl? "Möglich", sagt van Remmerden.Metall wird für Schrottpreis gestohlenDer Fall erinnert an die weltweit verbreiteten Metalldiebstähle, die sich häufen, seit der Schrottpreis in die Höhe schnellte. Die Schrottdiebe klauen im ganzen Bundesgebiet Gullydeckel, Metallketten oder Dachrinnen. Sogar Bahnschienen werden immer wieder meterweise abmontiert. In Großbritannien fiel 2005 offenbar sogar eine im Freien stehende Bronzeskulptur des Künstlers Henry Moore dem Schrottfieber zum Opfer. Deren Metall war 5000 britische Pfund wert - ein Bruchteil des Kunstwertes, versteht sich. 2004 rissen Unbekannte im polnischen Danzig sogar eine ganze Stahlbrücke heraus, die 400 Tonnen schwer war. Alles für den Schrottwert.Experten am Werk?Bei Solaranlagen muss man allerdings etwas anders vorgehen. Sie müssen pfleglich behandelt werden, denn: "Sie sind nur von Wert, wenn sie intakt sind", sagt van Remmerden. Man muss also wissen, wie man sie abbaut und transportiert, ohne sie zu zerstören. Sind da Experten am Werk? Die Macher der Sendung "Aktenzeichen xy ... ungelöst", die am 28. Mai über den Fall berichten, sagen ja. Sie erklären, die Platten würden ohne Kabelverlust abmontiert. Doch Polizeisprecher van Remmerden relativiert das: Etwas Kabel müsse bei der Demontage immer abgeschnitten werden, und dazu komme der Sachschaden auf den Dächern.Neu gekauft - wieder geklautTrotzdem braucht es ein Mindestmaß an Fingerspitzengefühl, um so etwas Empfindliches wie Solarplatten zu stehlen. Und dazu eine gehörige Portion Dreistigkeit: Manche Opfer hatten gerade neue Anlagen installiert, kurz darauf waren auch die neuen Teile schon wieder gestohlen.
Quelle: t-online.de | Speichern Sie diesen Artikel bei:
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