08.09.2010, 14:41 Uhr
Die Polizei räumt ein Baumhaus im Stuttgarter Schlossgarten, das Gegner des Bahnprojekts "Stuttgart 21" besetzt hatten (Foto: dpa)
Die Polizei hat in der Nacht zum Dienstag ein von Gegnern des umstrittenen Bauprojekts "Stuttgart 21" seit Tagen besetztes Baumhaus im Mittleren Schlossgarten geräumt. Rund 100 Demonstranten eilten den Besetzern zur Hilfe, einige bildeten nach Polizeiangaben zeitweise eine Sitzblockade um den Baum herum.
Wie eine Polizeisprecherin sagte, kletterten die Demonstranten beim Eintreffen der Beamten noch höher in die Platane. Sie wurden von Spezialkräften in den Korb einer Hebebühne gesetzt und auf den Boden gebracht. Die Aktivisten in der Krone sollen sich der Sprecherin der Umweltorganisation Robin Wood, Kei Andrews, zufolge auch an den Baum gekettet haben. Elf Demonstranten wurden von Einsatzkräften weggetragen.
Die Polizei baute danach das Baumhaus ab und beförderte das Gepäck der Protestler mit einem Kran nach unten. Die Baumbesetzer müssen den Angaben zufolge nun eine Anzeige wegen Nötigung und die Übernahme der Einsatzkosten befürchten.
Nur wenige Stunden zuvor hatte bereits das Aktionsbündnis gegen "Stuttgart 21" überraschend das für Freitag geplante Spitzengespräch über das Milliardenprojekt am Hauptbahnhof platzen lassen. Begründet wurde der Schritt damit, dass es keinen sofortigen Baustopp am Hauptbahnhof geben werde.
Der Sprecher der sogenannten Parkschützer, Matthias von Herrmann, kündigte zudem eine härtere Gangart an. Man werde noch mehr Aktionen starten, bei der sich Demonstranten anketten, um die Bauarbeiten zu behindern, sagte er.
Auch protestierten am Montagabend erneut tausende Menschen mit Trillerpfeifen und Vuvuzelas gegen eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Polizei sprach von 8000 Demonstranten, die Organisatoren von 20.000. "Rote Karte für die Scheißpolitik", hieß es auf einem Transparent.
Ob es einen neuen Versuch für ein Gespräch geben wird, ist bislang unklar. Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann, der gemeinsam mit Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zu dem Treffen eingeladen hatte, sprach davon, dass der erste Anlauf gescheitert sei. Mappus erneuerte trotz seiner scharfen Kritik an der Absage die Einladung. "Unser Gesprächsangebot gilt fort. Nach meiner festen Überzeugung liegt in einem offenen und fairen Dialog zwischen Projektbefürwortern und -gegnern unverändert eine wichtige Chance, eine Versachlichung der öffentlichen Diskussionen zu erreichen." Er appellierte an die Kritiker, "sich einem konstruktiven Austausch nicht zu verweigern".
Parkschützer von Herrmann zweifelte an der Ernsthaftigkeit des Angebots. "Wenn Mappus einen Baustopp ablehnt, ist klar, dass er auch die Gespräche ablehnt." CDU-Fraktionschef Peter Hauk warf den Gegnern hingegen vor, die ursprüngliche Zusage zu dem Gespräch sei nur der Versuch gewesen, "die Bauarbeiten durch die Hintertür zu stoppen".
Gegen das Bauprojekt "Stuttgart 21" gibt es seit Wochen heftigen Widerstand aus der Bevölkerung. Der bisherige Stuttgarter Kopfbahnhof soll durch eine Verlegung in den Untergrund zu einer Durchgangsstation gemacht werden, außerdem soll in Richtung Ulm eine Schnellbahnverbindung entstehen. Die Gegner kritisieren die Kosten, ökologische Folgen und angebliche Sicherheitsgefahren durch das Bauprojekt.
Quelle: dpa , AFP
Arthur schrieb:
am 7. September 2010 um 18:38:02
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Stuttgart 21
Die ehemalige Leipziger Universitätskirche wurde gesprengt, gegen den Willen von wenigen. Heute viel Geschrei um diese
Missetat. Hoffentlich wird dem Bahnhof auch so ein teurer N achbau in einigen Jahren fabriziert. Was für eine schöne Demokratie.
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Pitch schrieb:
am 7. September 2010 um 18:25:55
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S21 und Risiken
Der ICE fährt in Berlin im Schneckentempo fährt, weil die Gleise dort so mies sind. Wie will die Bahn die technischen
Probleme mit S21 lösen? Die Verantwortung auf die Baufirmen abwälzen??? Sobald die vorhersehbaren Risiken zu Tage treten, gehen die in Konkurs und wieder darf die Allgemeinheit die Suppe finanziell auslöffeln. Der Untergrund in bzw um Stuttgart hebt sich in wenigen Jahren um Meter nicht Zentimeter (lt. geol.Amt). Wie soll das mit Bahngleisen bzw. Tunnels funktionieren?
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Neutral schrieb:
am 7. September 2010 um 15:10:09
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Polizist schlägt Frau
...toller Typ, ganz ehrlich. Natürlich müssen die Polizisten immer den Kopf hinhalten für Sachen die sie nicht
verbockt haben,
aber von einem Polizisten eines Sondereinsatzkommandos kann man wohl erwarten, daß er sich nicht von einer Demonstrantin mittleren Alters so leicht provozieren läßt, um sich zu einer völlig unangemessenen Handgreiflichkeit hinreisen zu lassen. Falscher Mann im falschen Job - suspendieren !
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