28.01.2012, 19:43 Uhr
Ein Fahndungsbild des Bundeskriminalamts von Beate Zschäpe: Bereits 2007 soll sie von der Polizei vernommen worden sein, kurz vor dem Mord an der Heilbronner Polizistin (Quelle: dapd)
Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe soll nach einem Bericht des "Spiegels" bereits 2007 zufällig von der Polizei vernommen worden sein. Während des rund 20-minütigen Gesprächs in der Polizeidirektion Südwestsachsen hätten die Polizisten jedoch nicht geahnt, wen sie da vor sich hatten, berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin vorab unter Berufung auf Ermittlerkreise. Obwohl Zschäpe sich dabei in Widersprüche verstrickt habe, seien die Beamten nicht misstrauisch geworden.
In einem Appartement über der konspirativen Wohnung der Zwickauer Terrorzelle war es den Angaben zufolge zu einem Wasserschaden gekommen. Als die Polizeibeamten den Schaden in der Wohnung der Terroristen begutachten wollten, wurden sie - vermutlich von Zschäpe, die sich als Susann E. ausgab - jedoch nicht in die Wohnung gelassen, wie das Magazin berichtet. Im Untergrund hatte Zschäpe mehrere Alias-Namen verwendet, unter anderem "Susann E.".
Bei der Vernehmung soll die Frau mehrfach von "unserer Wohnung" gesprochen haben, obwohl sie zuvor erklärt hatte, gar nicht dort zu wohnen sondern nur die Katze eines Bekannten zu versorgen. Auch die Unterschrift auf dem Vernehmungsprotokoll soll erheblich von der Signatur der real existierenden Susann E. abgewichen sein, ebenso das angegebene Geburtsdatum. Zudem könne die von der Zeugin damals genannte Telefonnummer inzwischen einem Handy zugeordnet werden, das Zschäpe genutzt hatte.
Zum Zeitpunkt der Vernehmung hatte das Zwickauer Trio den Ermittlern zufolge bereits neun türkisch- und griechischstämmige Menschen ermordet. Knapp dreieinhalb Monate nach der Vernehmung wurde in Heilbronn eine Polizistin erschossen - mutmaßlich ebenfalls von der Gruppe Nationalsozialistischen Untergrund (NSU).
Mittlerweile führt die Bundesanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen elf mutmaßliche Unterstützer der Gruppe. Vier von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, dazu kommt Beate Zschäpe als einziges überlebendes Mitglied des Trios. Neben zehn Morden sollen zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle auf das Konto der Neonazi-Zelle gehen. Böhnhardt und Mundlos hatten sich Anfang November selbst getötet, als ihnen nach einem Bankraub die Festnahme drohte.
Quelle: dapd
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