Innenminister Schäubles Fingerabdruck in der Zeitung des Chaos Computer Clubs (Quelle: dpa)Hacker vom Chaos Computer Club (CCC) haben den Fingerabdruck von Innenminister Wolfgang Schäuble öffentlich gemacht. Damit wollten sie gegen die elektronische Speicherung der Abdrücke in Pässen protestieren, hieß es in einem Bericht von "Focus Online" am Samstag. Der Minister gab sich am Sonntag jedoch gelassen: Ihn habe die Aktion "kalt gelassen". "Mein Fingerabdruck ist kein Geheimnis, den kann jeder haben. Ich habe nichts zu befürchten", sagte der CDU-Politiker "Zeit Online".
"Ein Sympathisant des CCC gelangte an ein Glas, an dem Herr Schäuble seine Fingerabdrücke hinterlassen hat", sagte ein CCC-Sprecher "Focus Online". Der neuen Ausgabe des Club-Magazins "Datenschleuder" werde ein kleines Stück Folie mit Schäubles Fingerabdruck beigelegt. Wer sich diese Folie auf die Fingerkuppe klebt, soll damit an Fingerabdruck-Scannern als Wolfgang Schäuble durchgehen.
So sieht sieht ein selbstgefälschter Fingerabdruck aus (Foto: CCC)
Scanner überlisten
CCC hat der Zeitschrift außerdem eine Anleitung für die Erstellung beigelegt. Laut CCC kann so in wenigen Minuten eine gummiartige Schicht gewonnen werden, die dem Fingerabdruck entspricht. Diese könne sich jeder auf seinen Finger kleben und damit Scanner etwa an Flughäfen oder in Supermärkten überlisten.
Ministerium prüft juristische Schritte
Die Sprecherin des Innenministeriums sagte, zuerst müsse die Echtheit des Abdrucks geprüft werden. Stamme dieser wirklich von Schäuble, "würde es uns auch nicht so wahnsinnig beunruhigen", sagte sie. Man werde allerdings erwägen, juristisch dagegen vorzugehen.
Keine Angst vor Strafanzeige
Der Verein hat keine Angst vor einer Strafanzeige. "Wir haben ja eine gewisse Erfahrung mit solchen juristischen Auseinandersetzungen", sagte CCC-Sprecher Frank Rosengart zu "Spiegel Online". Aus seiner Sicht würde ein Eingreifen Schäubles die vom Club gewünschte Debatte nur befeuern.
Sammelalbum mit Fingerabdrücken
Der Computer-Club will nach eigenen Angaben ein "Sammelalbum" mit Fingerabdrücken veröffentlichen. So sollten nach "Spiegel Online" Informationen demnächst etwa die Fingerabdrücke von Schäubles Vorgänger Otto Schily, Kanzlerin Angela Merkel, Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein oder BKA-Präsident Jürgen Ziercke veröffentlicht werden.
CCC warnt vor Risiken
Zur Begründung der Aktion teilte der Chaos Computer Club mit, die Politiker dürften nichts gegen eine Veröffentlichung ihrer Fingerabdrücke haben. Denn sie selbst betonten als Argument etwa für biometrische Pässe immer wieder, wer nichts zu verbergen haben, habe durch solche Maßnahmen auch nichts zu befürchten. Fingerabdruck-Biometrie sei nicht so sicher wie behauptet werde. So reiche ein Abdruck auf einem Glas, um sich eine gefälschte Identität zu verschaffen. Neue Reisepässe sind seit dem 1. November mit elektronischen Fingerabdrücken des Eigentümers auf einem Chip versehen. Zentral oder in Meldeämtern werden die Abdrücke nicht gespeichert.
Dokumente sicherer machen
Eine Sprecherin des Ministeriums sagte dagegen "Zeit Online", man sehe keinen Zusammenhang zwischen der Aktion des CCC und dem ePass, auf dem die Fingerabdrücke gespeichert werden. Aufgabe des Ministeriums sei es, Dokumente sicherer zu machen.