26.10.2011, 17:59 Uhr
Der "Maskenmann" Martin N. muss sich vor dem Landgericht Stade wegen Mordes verantworten (Quelle: dapd)
Der als "Maskenmann" bekannt gewordene mutmaßliche Kindermörder Martin N. hat am Mittwoch vor dem Landgericht Stade erneut drei Morde und zahlreiche Missbrauchsfälle gestanden. "Ich bin entsetzt über meine Taten und empfinde tiefe Scham und Reue", heißt es in einer von seinen Verteidigern verlesenen Erklärung.
Lediglich einige wenige der insgesamt etwa 40 Missbrauchstaten, die ihm in der Anklage außerdem vorgeworfen werden, ließ N. über den Anwalt vor Gericht bestreiten.
Zum zweiten Prozesstag hat die Kammer unter anderem die Mutter eines der Mordopfer, des damals neunjährigen Dennis K., geladen.
In dem Prozess gegen Martin N. sollen zunächst chronologisch die Morde an drei Jungen und dann die Missbrauchsfälle behandelt werden. N. war getarnt mit einer Maske nachts in Kinderzimmer, Schullandheime und Zeltlager geschlichen und hatte sich an Jungen vergangen.
Der Pädagoge hatte kurz nach seiner Festnahme in Hamburg gestanden, zwischen 1992 und 2001 die Jungen in Norddeutschland entführt und später ermordet zu haben. Auch den Missbrauch von rund 40 Jungen hatte er eingeräumt. Die Hälfte der sexuellen Übergriffe ist inzwischen aber verjährt. Angeklagt ist er wegen insgesamt 23 Straftaten.
Viele Jahre hatte die Polizei vergeblich nach dem Serientäter gesucht. Den 13-jährigen Stefan holte er 1992 aus einem Internat in niedersächsischen Scheeßel, den achtjährigen Dennis R. 1995 aus einem Zeltlager bei Schleswig in Schleswig-Holstein und den neunjährigen Dennis K. aus einem Schullandheim nahe Bremerhaven.
Vor dem Prozess hatte der Norddeutsche Rundfunk über Fahndungspannen berichtet. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten in Bremen und Bremervörde Akten vernichtet, obwohl die entsprechenden Taten zu dem Zeitpunkt noch nicht verjährt gewesen seien. Die Bremer Polizei will nach Angaben ihres Sprechers Peter Siemering den Vorwürfen intern nachgehen.
Möglichen Pannen bei den Ermittlungen gegen den geständigen Kindermörder räumt die Staatsanwaltschaft Stade nicht allzu viel Bedeutung ein. "Wir sind bestens aufgestellt", sagte Behördensprecher Kai Thomas Breas vor Beginn des Prozesses. Sollten tatsächlich Akten nicht mehr vorhanden sein, sei das "völlig nebensächlich", sagte Breas. "Wir sprechen über drei Morde und zahlreiche Missbrauchsfälle." Die Staatsanwaltschaft sei zuversichtlich, dem Angeklagten diese nachweisen zu können.
Quelle: dpa , dapd
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