02.08.2010, 09:10 Uhr
Während des Gottesdienstes wurde für jedes der 21 Todesopfer eine Kerze angezündet. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Eine Woche nach der Tragödie bei der Loveparade haben Angehörige, Rettungskräfte und Politiker der 21 Opfer gedacht. Bei der zentralen Trauerfeier in Duisburg wandten sich der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, mit tröstenden Worten an die Hinterbliebenen und fanden nachdenkliche und mahnende Sätze in Richtung der Verantwortlichen. Schneider sagte, die Loveparade sei zu einem "Totentanz" geworden.
Zu dem ökumenischen Gottesdienst in der Salvatorkirche kamen rund 500 Besucher. Unter ihnen waren rund hundert Angehörige der Loveparade-Opfer, sie werden von Notfallseelsorgern begleitet. Auch die Helfer, die bei der Loveparade-Tragödie im Einsatz waren, waren beim Gedenkgottesdienst dabei. Unter den Gästen waren auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wandte sich am Ende der Feier in einer Ansprache an die Trauergemeinde.
Die Zeremonie wurde in mehr als zehn Kirchen auf Großbildleinwänden gezeigt. Zur Übertragung und Andacht im Fußballstadion des MSV Duisburg, in dessen Mitte die Veranstalter ein großes Kreuz gelegt hatten, kamen nach Polizeiangaben entgegen der Erwartungen nur rund 1500 Menschen. Die Stadt hatte insgesamt in ganz Duisburg mit bis zu 100.000 Trauernden gerechnet.
Zu Beginn der Trauerfeier wurden eine Kerze und ein Kondolenzbuch von dem nahe gelegenen Unglücksort an einem Tunnel zum Altar gebracht. Rettungskräfte, Notfallseelsorger und andere Einsatzkräfte zündeten die 21 Kerzen an.
"Die Loveparade wurde zum Totentanz", sagte der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, bei der Gedenkfeier in der Duisburger Salvatorkirche. "Mitten hinein in ein Fest überbordender Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Gesicht gezeigt."
Am Ende der Gedenkfeier ging Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nach vorne, um sich bei allen Helfern zu bedanken und den Angehörigen und Verletzten ihr Mitgefühl auszusprechen. "Jede Katastrophe erschüttert uns, lässt uns die Frage nach dem 'Warum' stellen. Für diese Katastrophe gilt das in besonderer Weise", sagte Kraft. Fragen nach Schuld und Verantwortung müssten beantwortet werden. Die Ministerpräsidentin sagte den Hinterbliebenen zugleich unbürokratische Hilfe zu. "Aber wir wissen auch: Wir können ihren Schmerz nicht lindern." Weiter sagte sie: "Sie sind nicht allein".
Kraft versprach außerdem Aufklärung: "Wie konnte dies geschehen? Wer trägt die Schuld? Wer ist verantwortlich? Diese Fragen müssen und werden eine Antwort finden." Angesichts der Todesumstände der Opfer sei es schwer, Worte zu finden. "Uns alle lässt das Geschehene nicht los. Es macht uns betroffen, hilflos und manche auch wütend."
Bundesinnenminister Thomas de Maizière ordnete anlässlich der Feier für alle öffentlichen Gebäude in Deutschland Trauerbeflaggung an. Kränze von Wulff, Merkel und anderen Repräsentanten des Staates wurden vor dem Straßentunnel, der zu dem Unglücksort führt, niedergelegt. Das Meer von Kerzen, die zahlreiche Menschen vor dem Tunnel abgestellt haben, wächst ständig.
Bundespräsident Christian Wulff will den Einsatz der Loveparade-Helfer würdigen. "Ich werde die ehrenamtlichen Helfer, die Leben gerettet und Menschen geholfen haben, nach Berlin einladen und auszeichnen", sagte Wulff der "Bild am Sonntag". Derzeit stehe die gemeinsame Trauer im Mittelpunkt. "Es geht darum, den Angehörigen zu zeigen, dass die gesamte Nation ihnen beisteht. Dadurch wird das Leid vielleicht etwas erträglicher gemacht."
Später zogen noch 2000 Trauernde durch Duisburg in die Nähe der Unglücksstelle, darunter Freunde von Opfern, und ließen Hunderte schwarze und weiße Luftballons steigen. Vor der Fußballpartie Schalke 04 gegen den Hamburger SV im nahen Gelsenkirchen legten Spieler und rund 50.000 Zuschauer eine Gedenkminute ein.
Unterdessen geht die Polizei davon aus, dass während der Loveparade auf dem Veranstaltungsgelände weit weniger Menschen waren als zuvor angenommen. Aufgrund von Luftaufnahmen rechnen die Ermittler mittlerweile damit, dass sich zum Zeitpunkt des Unglücks 150.000 Menschen auf dem Gelände am früheren Güterbahnhof aufgehalten haben, wie das Magazin "Focus" berichtete.
Quelle: AFP , dapd , dpa
Politikum schrieb:
am 31. Juli 2010 um 16:48:51
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Trauerfeier
Das konnte ich mir nicht ansehen, wie heuchlerisch unsere Politiker sind!
Der Bürgermeister denkt nur an seine Rente wenn er
damit durchkommt, müßten die Duisburger das Rathaus stürmen.Unser Wulff will die Helfer EHREN; das Bundesverdienstkreuz kriegen aber unsere Fußballer, unsere Merkel fährt schnell wieder in ihren Urlaub nach dieser Schau. Es ist und muss für die Angehörigen eine Qual sein, dieses Schauspiel über sich ergehen lassen zu müssen. Nochmals mein Mitgefühl für die Familien!!!!
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Reiner schrieb:
am 31. Juli 2010 um 16:48:11
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kein Totentanz
Bei aller Liebe: von einem TOTENTANZ kann gar keine Rede sein. Hier sollte Herr Schneider sein kirchengeschichtliches Studium
noch mal nachholen. Totentanz war im Mittelalter schon etwas ganz anderes!
Auch in Duisburg gab es keinen TotenTANZ, sondern einen TotenFALL. Schade, dass hier ein Kirchenmann mit seiner Sprache so wenig sorgfältig umgeht!
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Klaus 11 schrieb:
am 31. Juli 2010 um 16:46:27
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an Levitian schrieb
Nein, ich habe Gottseidank niemand verloren. Aber wenn ich diesen Schmarren hier lese,geht mir nicht das Mitgefühl für
die Trauernden verloren. Aber was hier einige Leute verzapfen,das ist schon ätzend.
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