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"Johannes Kepler" muss am Boden bleiben

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"Johannes Kepler" muss am Boden bleiben

16.02.2011, 11:14 Uhr | Von Meike Mittmeyer, t-online.de

Noch nicht gestartet: die Trägerrakete Ariane 5 mit dem Raumtransporter der ESA namens "Johannes Kepler" (Foto: AP)

Noch nicht gestartet: die Trägerrakete Ariane 5 mit dem Raumtransporter der ESA namens "Johannes Kepler" (Foto: AP)

Der europäische Raumtransporter ATV-2 "Johannes Kepler" ist nicht gestartet. Grund war vermutlich ein Problem mit den Sensoren, die einen Fehler beim Tanken angezeigt haben. Der unbemannte Transporter sollte am Dienstag um 23.13 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) aus ins Weltall geschossen werden und später an die Internationale Raumstation ISS andocken. Der zweite Versuch ist für heute Abend geplant.

Ein Sensor hatte kurz vor Ende des Countdowns zu viel flüssigen Sauerstoff in den Tanks der Trägerrakete Ariane 5 gemeldet. Daraufhin wurde der Startversuch automatisch beendet. "Jetzt muss geklärt werden, ob es sich um einen Sensorenfehler handelt oder doch etwas anderes im Spiel war", sagte Michael McKay von der europäischen Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt, wo der Startversuch mit Spannung verfolgt worden war.

Die Countdown-Uhr wurde vier Minuten und eine Sekunde vor dem Start plötzlich eingefroren. Dieser war auf die Sekunde genau geplant, da sich der Weltraumbahnhof nur für kurze Zeit in der optimalen Position befand, um "Johannes Kepler" mit Hilfe einer Ariane-5-Trägerrakete ins All zu schicken. "Sobald sich die Erde aus der Bahnebene herausdreht, ist es vorbei", so McKay. Ein zweiter Versuch ist somit frühestens einen Tag später möglich, sobald sich die Erde erneut in der optimalen Position befindet.

Der zweite Versuch

Nun ist der Start heute um 22.50 Uhr deutscher Zeit geplant. "Johannes Kepler" soll rund sieben Tonnen Güter zur Besatzung der ISS bringen - darunter vor allem Treibstoff und Werkzeuge, aber auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Post und Lebensmittel für die sechs Astronauten an Bord der Station. Wenn dann alles klappt, wird sie den Frachter vom Typ ATV in einer Höhe von 260 Kilometern im All absetzen.

(Grafik: dapd) (Grafik: dapd)Voraussichtlich in acht Tagen, also am 24. Februar, soll der Transporter am russischen Teil der Raumstation festmachen. Am selben Tag war eigentlich auch der Start einer amerikanischen Raumfähre zur ISS geplant. Damit sich die Raumschiffe beim Andocken nicht doch noch in die Quere kommen, kündigte die US-Raumfahrtbehörde Nasa bereits an, den Shuttle-Start um einen Tag zu verschieben, falls die Ariane am Mittwoch mit dem ATV ins All startet.

Rückkehr ohne Wiederkehr

Der nach dem deutschen Astronom Johannes Kepler benannte Raumtransporter soll bis Anfang Juni im All bleiben. Mehrmals wird er die ISS in der Zeit anheben, da diese kontinuierlich an Höhe verliert. Nach etwa dreieinhalb Monaten beladen die Astronauten den Frachter mit Müll. Auf seinem Weg zurück zur Erde wird er kontrolliert über dem Südpazifik verglühen.

Künftige Raumtransporter-Missionen der ESA sollen aber deutlich nachhaltiger werden. Die Raumfahrtbehörde arbeitet gerade an Nachfolgemodellen, die bei ihrer Rückkehr nicht verglühen, sondern wieder landen. So könnte die ISS-Crew künftig auch Fracht zur Erde zurückschicken, die heil unten ankommen soll.

Darmstadt feierte "Lange Nacht der Raumfahrt"

Im hessischen Darmstadt, dem Sitz des Europäischen Raumflugkontrollzentrums (ESOC), wurde dem Start mit einer "langen Nacht der Raumfahrt" entgegengefiebert. Für die europäische Raumfahrtorganisation sollte der Start von "Johannes Kepler" zum einen der erfolgreiche Beginn einer zweiten unbemannten Raumtransporter-Mission nach "Jules Verne" im Jahr 2008, zum anderen auch das 200. Jubiläum eines Ariane-Raketenstarts sein. Hunderte Zuschauer wollten das Spektakel auf einer Videoleinwand live verfolgen. Podiumsdiskussionen mit den beiden deutschen Astronauten Ulf Merbold und Reinhold Ewald verkürzten die Wartezeit auf das eigentliche Event.

"Hoffentlich halten alle Schrauben"

Ulf Merbold war 1983 als Mitglied der Columbia-Crew der "erste Bundesbürger" im All. Fünf Jahre vor ihm war bereits Sigmund Jähn aus der ehemaligen DDR mit einer Sojus-Rakete gestartet. Merbold berichtete lebhaft von seinen Gefühlen und Gedanken vor, während und nach dem Start des Space Shuttles in Florida. "Man liegt dann da auf dem Rücken im Sitz des aufgerichteten Shuttels und hat nichts zu tun. Da kommen einem schon Gedanken, welch große Verantwortung auf einem lastet", erzählte er. "Und man denkt sich natürlich auch: Hoffentlich halten alle Schrauben."

Das Gefühl, kurze Zeit später erstmals schwerelos zu sein, den Gurt zu lösen und einfach abzuheben, sei für ihn dann aber unbeschreiblich schön gewesen. "Wenn man zum ersten Mal aus dem Fenster guckt und den blauen Erdball unter sich sieht, und die Sonne, die am rabenschwarzen Himmel aus großer Entfernung leuchtet, dann merkt man, dass wir alle eigentlich viel sorgsamer mit unserem Planeten umgehen sollten."

Nicht das Wetter war Schuld, sondern die Technik

Aus Kourou wurden im Laufe des Abends mehrmals beste Wetterverhältnisse gemeldet. "Ariane-Raketen sind sehr robust", erklärte Rainer Kresken von der ESA noch kurz vor dem Abbruch des Starts. "Space Shuttle sind da empfindlicher - die können schon bei einer dünnen Wolkendecke nicht starten." Als die Countdown-Uhr dann doch stehen blieb, ging ein enttäuschtes Seufzen durch die Menge. Statt eines Raketenstarts flackerten nur Bilder von ebenfalls enttäuschten Gesichtern aus dem ATV-Kontrollzentrum in Toulouse über die Leinwand, von wo aus die Mission gesteuert und überwacht werden sollte. "Immerhin blieb es bis kurz vor Schluss spannend", kommentierte ein Zuschauer. "So hatten wir trotzdem noch unsere lange Nacht der Raumfahrt, obwohl das, worauf alle gewartet haben, nicht kam."


Quelle: dpa

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Kommentare (14)

zum Forum

Thema: ""Johannes Kepler" muss am Boden bleiben"

Micha van der Welden schrieb: am 16. Februar 2011 um 18:05:15
(0) (0) Rakete
Ok wir bezahlen dass ja alle auch zu einem gewissen Teil mit, was mich aber wundert warum nicht öfters aus der Raumstation berichtet
wird, was die Jungs so da oben treiben! Alles Geheim oder was?Kein Interesse der Alllgemeinheit, will ich gar nicht glauben?
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Wissender schrieb: am 16. Februar 2011 um 17:54:11
(0) (0) An M.H.
Ganz sicher ist die ISS eines nicht: Ein wichtiges Instrument für irgendeine Wissenschaft oder die Medizin. Abgesehen von der ISS
Realität, die mangels Versorgungskonzept und personeller Unterbesetzung die "Experimente" sowieso an allerletzte Stelle setzen muss, gibt es so wenig motivierbare Experimente für die ISS, daß die ESA (ESTEC) regelmäßig die Communities auffordert, wenigstens Ideen einzureichen.
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mehr raketen für mehr geld schrieb: am 16. Februar 2011 um 17:27:53
(0) (0) wissenschaft
die wissenschaft ist die zukunft ohne sie geht nix, ich bin dafür eine raktensteuer einzuführen schließlich kommen die
untersuchungen dem allgemeinwohl zu gute auch wenn erst die kinder davon profitieren auf dem roten planetn zu leben mehr rakten LOS
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