Vorstoß in Südafghanistan: Ein US-Marineinfanterist feuert aus einem Unterstand heraus Mörsergranaten auf mutmaßliche Taliban-Stellungen ab (Foto: Reuters)
Am zweiten Tag ihrer Großoffensive gegen die Taliban in Südafghanistan sind die US-Truppen in heftige Kämpfe verwickelt worden. Ein Bataillon stecke in "höllischen Gefechten", andere Einheiten seien auf nur wenig Gegenwehr gestoßen, berichtete Kommandeur Larry Nicholson am Freitag.
Die US-Marineinfanterie rückte nach eigenen Angaben in der Provinz Helmand weiter in die Hochburgen der Radikalislamisten vor. Demnach waren die Marines in den Bezirken Garmsir und Nawa im Einsatz, nachdem sie Chanischin bereits am Donnerstag eingenommen hatten. Südlich der Stadt Garmsir stießen die Einheiten auf heftigen Widerstand. Bislang sollen ein US-Marineinfanterist und zwei britische Soldaten getötet worden sein.
Gefechte hier, Gespräche dort
"Im südlichen Viertel des Sektors gibt es höllische Gefechte", sagte Nicholson einem AFP-Reporter zufolge, der den Konvoi begleitete. Andere Bataillone hätten dagegen in eroberten Städten bereits Gespräche mit Stammesführern begonnen. Es ist die größte Offensive der Marineinfanterie seit dem Einsatz im irakischen Falludscha 2004. An der Offensive sind 4000 Marines sowie 600 afghanische Sicherheitskräfte beteiligt.
Briten teilen Taliban-Front
Auch britische Truppen meldeten erfolgreiche Angriffe auf Taliban-Hochburgen in Helmand. Hunderte Soldaten hätten wichtige Kanal-Übergänge gesichert, erklärten die britischen Truppen. Damit könnten sie nun verhindern, dass sich die Aufständischen zwischen den wichtigen Städten Laschkar Gah und Gereschk bewegten.
Taliban agieren verdeckt
Die Taliban erklärten, sie setzten sich vor allem in Nawa und Garmsir mit Guerilla-Taktiken zur Wehr. Ein Taliban-Sprecher sagte, die Aufständischen hätten Straßen im Land vermint, einige der Sprengsätze seien bereits hochgegangen.
Drohnenangriff in Pakistan
Im Kampf gegen die Taliban in Pakistan griffen die US-Streitkräfte erneut einige der dortigen Stützpunkte in der Provinz Süd-Wasiristan an. Pakistanischen Sicherheitskreisen zufolge wurden bei einem Drohnenangriff mindestens sieben Aufständische, womöglich aber auch bis zu zwölf getötet. Der Angriff habe sich gegen den Unterschlupf des ranghohen Taliban-Anführers Noor Wali gerichtet, der als enger Verbündeter von Baitullah Mehsud gilt. Mehsud ist der Chef der Organisation Tahrik-i-Taliban Pakistan (TTP).
Steinmeier: Rückzugsdebatte "unverantwortlich"
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte derweil im Deutschlandradio Kultur die Debatte über einen Rückzugstermin für die Bundeswehr am Hindukusch und sprach von einer "kopflosen Ausstiegsdiskussion". Vor Debatten über einen deutschen Rückzug müssten erst die Afghanen in die Lage versetzt werden, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen, sagte der SPD-Kanzlerkandidat. Die aktuellen Debatten über einen Abzugstermin seien "unverantwortlich".
CSU-Politiker: Gewicht auf Polizeiausbildung verlagern
Dagegen drang der CSU-Sicherheitsexperte Hans-Peter Uhl auf ein rasches Ende des deutschen Militäreinsatzes. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag sprach er sich für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan möglichst innerhalb der kommenden Jahre aus: "Es ist an der Zeit, die Priorität des Afghanistan-Einsatzes vom Militär zur Polizei zu verlagern." Es müssten "deutlich mehr Polizisten als bisher ausgebildet werden", um die zivile Sicherheit in Afghanistan nachhaltig zu verbessern.
Berlin will Polizeiausbilder verdoppeln
Das Bundesinnenministerium kündigte verstärkte Anstrengungen beim Aufbau der afghanischen Polizei an. Demnach soll 2010 die Zahl deutscher Polizisten, die beim Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte mitarbeiten, auf rund 200 erhöht werden. Derzeit arbeiten laut Innenministerium insgesamt hundert deutsche Polizisten in Aufbau- und Ausbildungsvorhaben in Afghanistan.