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"Händler des Todes" soll vor US-Gericht

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"Händler des Todes" soll vor US-Gericht

23.08.2010, 08:27 Uhr | Von Ulf Mauder

Viktor Bout in einer Gefängniszelle in Thailand (Foto: dpa)

Viktor Bout in einer Gefängniszelle in Thailand (Foto: dpa)

Er gilt als "Händler des Todes", als einer der größten Waffenschmuggler der Welt, der Geschäfte mit Schurkenstaaten und blutigen Diktatoren machte. Zwei Jahre nach seiner Festnahme soll der 43-jährige Russe Viktor Bout, den Oscar-Preisträger Nicolas Cage schon 2005 in dem Film "Lord of War" verkörperte, nun von Thailand an die USA ausgeliefert werden.

Auch die Vereinten Nationen und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sind überzeugt, dass Bout, der seine Unschuld beteuert, unter anderem mit "Blutdiamanten" und Waffen gehandelt hat.

Mit einem "der größten Spionage- und Politskandale" rechnet die russische Staatsagentur Ria Nowosti, sollte Bout, der offiziell als Flugtransport-Unternehmer auftritt, vor ein US-Gericht gestellt werden. Als ein thailändisches Gericht jetzt nach langem Hin und Her dem Auslieferungsauftrag der USA zustimmte, protestierte Moskau prompt.

Waffen gegen Blutdiamanten

Russland werde alles daran setzen, damit Bout wieder nach Hause komme, tönte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Die USA hätten auf das Gericht in Bangkok "politischen Druck" ausgeübt. Bouts Schuld sei unbewiesen.

Die US-Behörden sehen dies anders. Schon vor zehn Jahren tauchte Bouts Name in UN-Berichten in Verbindung mit illegalen Waffengeschäften auf - vor allem in afrikanischen Konfliktgebieten. Zu seinen Kunden sollen Regierungen und Untergrundbewegungen in Afghanistan, Angola, Togo, Ruanda sowie Terrorbewegungen wie Al-Kaida und die Taliban gehört haben. Liberias früherer Präsident Charles Taylor soll die Waffen mit Diamanten bezahlt haben.

Offizier des Geheimdienstes

Bout, der als Militärdolmetscher und Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU ausgebildet wurde, weist dies alles als Intrige gegen ihn und seine Firma Air Cess Liberia zurück. Von Ende der 1980er Jahre an erledigte er Transportaufträge - damals noch für die Sowjetunion - nach Angola und in andere afrikanische Staaten. Überliefert ist zudem, dass er sich später mit seiner eigenen Firma in Südafrika niederließ, dann auch in den 1990ern in Belgien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Waffen, die er unter mindestens sieben verschiedenen Namen mit entsprechenden Pässen verkauft haben soll, stammten nach Angaben von Ermittlern aus den Armeedepots früherer Sowjetrepubliken wie der Ukraine und der Republik Moldau. Allein in der Ukraine sollen Schätzungen zufolge von 1992 bis 1998 aus den Armeedepots Waffen für 20 Milliarden Euro gestohlen worden sein. Militärexperten wie der Moskauer Publizist Pawel Felgenhauer glauben, dass Bout deshalb so lange ungestört große Geschäfte machen konnte, weil er Beziehungen zu vielen Geheimdiensten unterhielt - im Westen wie im Osten.

Hollywood oder das wahre Leben?

So schrieb die CIA-nahe Stiftung Jamestown in Washington im Oktober 2004, Bout habe zu Beginn des Irakkrieges Waffen nach Bagdad geflogen, weil dies für das US-Militär zu gefährlich war. 2006 hatte US-Präsident George W. Bush Bouts Konten einfrieren lassen.

Nach Angaben eines Mitarbeiters von Bout steuerte die Flotte, die 50 Maschinen zwischen Europa, der arabischen Welt und Afrika im Einsatz hatte, immer wieder auch Weißrussland an. Das von dem autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko geführte Land steht seit langem im Verdacht, in dunkle Rüstungsgeschäfte verwickelt zu sein.

Dass dies aber alles kein Hollywood-Kino, sondern das wahre Leben ist, muss vor einem Gericht erst noch bewiesen werden. Bout wurde im März 2008 in einem Luxushotel in Bangkok festgenommen, wie Juri Orlow alias Nicholas Cage in dem Film "Lord of War - Händler des Todes".

US-Agenten hatten ihn mit einem Auftrag für die kolumbianische Guerillabewegung FARC in die Falle gelockt. Zwar hat Bout stets seine Unschuld beteuert, doch überzeugend distanziert von dem blutigen Geschäft hat er sich nach Meinung von Beobachtern nie. Anders als Filmstar Cage, der nach seiner Rolle als Waffenbaron Friedensbotschafter der Vereinten Nationen wurde.


Quelle: dpa

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