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"Furchterregend wie ein Science-Fiction-Film"

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"Furchterregend wie ein Science-Fiction-Film"

16.12.2007, 12:34 Uhr

Nahezu ausgetrocknet: der Buyukcekmece-See bei Istanbul (Foto: dpa) Nahezu ausgetrocknet: der Buyukcekmece-See bei Istanbul (Foto: dpa)Der Weltklimarat IPCC hat am Samstag mit seinem jüngsten Papier einen eindringlichen Warnruf vor den Auswirkungen der Erderwärmung in die Welt gesendet. Darin nennen Forscher und politische Delegationen so deutlich wie nie zuvor den Menschen als Verursacher der Erderwärmung.#

Grundlage für die Klimakonferenz
Spätestens 2015 müsse das Maximum des Treibhausgas-Ausstoßes erreicht werden, so IPCC-Chef Rajendra Pachauri. Die Zusammenfassung des diesjährigen Weltklimaberichts soll als wissenschaftliche Grundlage für die UN-Klimakonferenz auf Bali im Dezember dienen. "Die schlimmsten Szenarien des IPCC sind so furchterregend wie ein Science-Fiction-Film", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der Vorstellung des Dokuments in Valencia.

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Millionenfacher Tod
Die Welt bekommt mit der unbequemen Zusammenfassung genau das, was sie 1988 selbst in Auftrag gegeben hat. Damals gründeten die Vereinten Nationen den IPCC, um den Staaten ein klares Bild vom Klimawandel, dessen Folgen und der möglichen Abhilfe zu liefern. Nun liegt die Zusammenfassung des vierten Reports vor. Demnach bedroht sich die Menschheit selbst mit dem millionenfachen Tod, wenn die Temperatur auf ihrem Planeten weiter steigt.

Seitenlange Schreckensliste
Dürre in Afrika und Südeuropa, Überschwemmungen der Flussdeltas und der Verlust fruchtbaren Landes in Asien, starke Niederschläge und Stürme in Nordeuropa, das Schwinden des Grönland- und Polareises und der damit verbundene Untergang der kleinen Inselstaaten, mehr Kriege, mehr Infektionskrankheiten, das Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten und das Ende ganzer Ökosysteme - die Schreckensliste lässt sich mit dem Blick in den Report seitenweise fortsetzen.

Dramatische Wirkung setzt erst nach Jahren ein
Der stellvertretende Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe III, Professor Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg, fasst das alles so zusammen: "Ja, der Mensch ist schuld am Klimawandel. Ja, wir können etwas tun. Ja, wir haben bereits jetzt alle Mittel dazu in der Hand. Aber: Wir müssen sofort anfangen." Das Problem: Kohlendioxid, das heute aus Motoren, Kraftwerken oder abgeholzten Wäldern strömt, entfaltet seine dramatische Wirkung erst später.

Wirkung noch in 1000 Jahren
"Wir müssen den Menschen erklären, dass das, was wir gerade tun, noch in 1000 Jahren Wirkung zeigt. Aber dann nützt eine Verhaltensänderung nichts mehr. Wir sind am Scheideweg und stehen vor einem neuen Schritt der Menschwerdung", sagt Hohmeyer. Bislang habe der Mensch nach dem Motto Versuch und Irrtum gehandelt. Das funktioniere beim Klima nicht. "Wenn wir diesen Schritt nicht schaffen, sind wir nicht überlebensfähig."

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Energiebedarf steigt weiter
Zwei Nachrichten erreichten die Teilnehmer von Valencia morgens über die Zeitungen. Erstens: Eine Studie des Weltenergierates zeigt, das sich der Energiebedarf bis 2050 verdoppeln könnte. Zweitens: Eine Untersuchung der Universität von Melbourne deutet darauf hin, dass der Klimawandel schneller voranschreitet als bislang angenommen. Gleichzeitig schwinden die immer teurer werdenden Rohstoffe.

Ban setzt auf Bali
Die Bedrohung für den Menschen sei real, das mache der Report ganz klar, sagte Ban weiter. Mit entschiedenem Handeln könnten jedoch die schlimmsten Szenarien verhindert werden. Die Gelegenheit dazu hätten die Politiker bei der Klimakonferenz auf Bali.

Kritiker: USA wollten Bericht verwässern
Die USA begrüßten den Klimabericht. "Wir haben eine sehr ausgewogene Position erreicht", meinte die US-Delegationsleiterin bei den Verhandlungen des Weltklimarates, Sharon Hayes. Kritiker hatten den USA vorgehalten, sie hätten bei den Verhandlungen in Valencia versucht, den Klimabericht zu verwässern.

USA: wissenschaftliche Definition fehlt
Der Berater des Weißen Hauses für Umweltfragen, Jim Connaughton, hatte kurz vor der Verabschiedung des Berichts erklärt, nach Ansicht der USA gebe es keine eindeutige wissenschaftliche Definition der Risiken des Klimawandel. Dennoch seien die USA wie die anderen G-8-Staaten auch der Meinung, dass gehandelt werden müsse, betonte Connaughton. Allerdings nannte er keine konkreten Zahlen oder Daten beim Vorgehen gegen die Erderwärmung. Die USA lehnen strenge Vorgaben für die Emission von Treibhausgasen ab. Washington plädiert für freiwillige Lösungen, den Einsatz neuer Technologien und verstärkte Bemühungen, Länder wie China und Indien in die Pflicht zu nehmen.

Klimarat erhält Friedensnobelpreis
Für seine Verdienste um den Schutz des Klimas erhält der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) am 10. Dezember den Friedensnobelpreis 2007 - also während sich die Politiker auf Bali zur Klimakonferenz treffen.


Quelle: AFP , dpa

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