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"Er wollte als Märtyrer sterben"

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"Er wollte als Märtyrer sterben"

27.02.2008, 19:41 Uhr

Youssef El H. steht in Düsseldorf vor dem Oberlandesgericht (Quelle: ddp) Youssef El H. steht in Düsseldorf vor dem Oberlandesgericht (Quelle: ddp)Der mutmaßliche Kofferbomber von Köln ist nach Zeugenberichten als lautstarker Wortführer gegen die westliche Welt aufgefallen und soll sich den Märtyrertod gewünscht haben. "Es ging um den Krieg im Libanon. Er hatte gehofft, daran teilzunehmen. Er wünschte sich, als Märtyrer zu sterben", sagte am Mittwoch ein Mitstudent über ein Gespräch mit Youssef El H., der beim Oberlandesgericht Düsseldorf des versuchten Mordes angeklagt ist. El H. und ein Mittäter sollen in zwei Zügen Bomben versteckt haben, die wegen eines technischen Fehlers versagten. "Osama bin Laden gefiel ihm", erzählte der Bekannte über den Libanesen.

ExperteSprengsatz war scharf und gefährlich
KofferbomberBrücke im Visier
Prozess gegen Kofferbomber Anschlag auf WM geplant

"Er war immer schlecht drauf"

Nachdem sein Bruder im Libanon-Krieg 2006 ums Leben gekommen war, habe sich der Angeklagte stark verändert, sagte der 24 Jahre alte Mitstudent. "Er war immer schlecht drauf." Im selben Jahr fiel El H. im Studienkolleg in Kiel durch radikale Ansichten auf. Seine Mathematiklehrerin habe mit den Studenten eine Diskussion über den internationalen Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen angefangen. Ihr sei von den meisten der durchweg ausländischen Studenten dabei Ablehnung entgegengeschlagen, sagte die 46-Jährige. "El H. hat sich sehr vehement eingesetzt und ist in der Diskussion der Wortführer gewesen. Er war entrüstet, aufgebracht. Er sagte, es wäre für die Moslems die schlimmste Form der Beleidigung, Mohammed abzubilden." Das Verbrennen dänischer Fahnen habe El H. befürwortet. Schließlich beendete die Lehrerin die Diskussion - aus Angst, die Debatte könnte entgleisen.

Foto-SerieBomben in Regionalzügen
ChronologieDie Kofferbomben-Anschläge

Fast von der Schule geflogen

Eine andere Lehrerin sagte aus, El H. sei ihr vor allem durch die vielen Fehlstunden aufgefallen. Nur dank eines Attests sei der junge Libanese nicht vom Studienkolleg geflogen. Mitstudenten hatten berichtet, dass El H. im Deutschunterricht wütend den Raum verlassen habe, weil eine unverschleierte Frau ein Referat über Terrorismus gehalten habe. Die Klassenlehrerin, die auch Deutsch unterrichtet, sagte, sie habe davon nichts bemerkt.

Hintergründe zum internationalen Terrorismus (Montage: T-Online)Hintergründe zum internationalen Terrorismus (Montage: T-Online)

Er will die Sprengsätze bewusst sabotiert haben

Die fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschläge auf zwei Regionalzüge in Nordrhein-Westfalen im Sommer 2006 sollten nach Aussage des angeklagten Libanesen zwar keine Menschenleben gefährden, aber Signalwirkung haben. Die Menschen hätten "politisch aufwachen" sollen, sagte El H. am Mittwoch im Prozess. Er räumte ein, dass das Verbreiten von Angst und Schrecken eigentlich nicht mit dem Koran vereinbar sei. Der Angeklagte will die Sprengsätze bewusst sabotiert haben.


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Quelle: dpa

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