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"Ein Ort schlimmer als die Hölle"

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"Ein Ort schlimmer als die Hölle"

02.02.2009, 12:28 Uhr | Von Lucile Malandain, AFP

Rund 800 Häftlinge wurden im Gefangenenlager Guantánamo insgesamt festgehalten (Quelle: dpa) Rund 800 Häftlinge wurden im Gefangenenlager Guantánamo insgesamt festgehalten (Quelle: dpa)

Winzige Zellen ohne Tageslicht, Prügel und Erniedrigungen, Folter mit lauter Musik und grellem Licht - diese Leiden von Häftlingen des Gefangenenlagers Guantánamo sollen nach dem Willen des neuen US-Präsidenten Barack Obama schnell ein Ende haben. Er hat die Schließung des Lagers auf Kuba angeordnet, das der ehemalige Häftling Mustapha Ait Idir als einen Ort schlimmer als die Hölle beschreibt.

Auch nach einer Entlassung ist der Albtraum Guantánamo noch lange nicht vorbei, sagen Ex-Häftlinge und Wissenschaftler. Das Leben im Lager hinterlässt tiefe Narben, die eine Rückkehr in die Normalität fast unmöglich erscheinen lassen.

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Qualen noch lange nicht verarbeitet

"Niemand kann sich vorstellen, wie schrecklich es war", sagt der 38-jährige Idir über seine siebenjährige Haft. "Selbst der Teufel hätte nicht einen solch schlechten Ort schaffen können." Idir wurde als junger Mann unschuldig in das Gefangenenlager gesteckt. Ein US-Zivilgericht stufte im November die Inhaftierung des gebürtigen Algeriers und vier weiterer Häftlinge als illegal ein und ordnete ihre Freilassung an. Seit Dezember ist Idir wieder ein freier Mann. Die Qualen während seiner Haft hat er jedoch noch lange nicht verarbeitet.

Arzt ordnete Prügel an

"Die Wachen hatten die Angewohnheit, in Gruppen von sechs oder sieben Leuten zu kommen (...) und dann fingen die Prügel an", erzählt Idir von seiner Haftzeit. Einmal seien die Wachen in Begleitung eines Arztes gekommen. "Er zeigte auf einige Stellen am Körper und sagte 'schlagt hier'. Nach den Schlägen gab es keine sichtbaren Spuren am Körper, aber es tat so weh, dass man sich nicht bewegen konnte."

"Das ist Folter"

Anwälte haben wiederholt berichtet, wie schockiert sie waren, als sie das Lager zum ersten Mal besuchten. Erlaubt wurden die Besuche erst Ende 2004, also knapp drei Jahre nach der Einrichtung des Gefangenenlagers. Stephen Oleskey erzählte einmal, wie sein Mandant Lakhdar Boumedienne auf Guantánamo gequält wurde - auch er wurde inzwischen für unschuldig erklärt und entlassen. Während eines monatelangen Hungerstreiks sei Boumedienne zwangsernährt worden. Zwei Mal täglich hätten sie den geschwächten Häftling an einen Stuhl gefesselt, ihm eine Maske übergestülpt und einen Schlauch durch die Nase eingeführt. "Manchmal ist der Schlauch in der Lunge gelandet und nicht im Magen: Das ist Folter", sagte der Anwalt.

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Wissenschaftler befragen Ex-Häftlinge

In Guantánamo waren insgesamt rund 800 Männer und Jugendliche inhaftiert, mittlerweile sind es nach Angaben des Pentagon noch etwa 245. Das Schicksal von rund 60 der ehemaligen Insassen wurde von Forschern der University of California in Berkeley untersucht. "Der Alptraum der Häftlinge hört nicht mit ihrer Freilassung auf", fassen die Wissenschaftler Laurel Fletcher und Eric Stover die Ergebnisse ihrer Studie zusammen. "Diese Männer, die nie wegen eines Verbrechens angeklagt wurden und nie die Gelegenheit hatten, ihre Ehre reinzuwaschen, leiden unter einem dauerhaften 'Guantánamo-Stigma'." Deswegen würden die Ex-Häftlinge in Freiheit auch keine Arbeit mehr finden, sagen die Forscher.

Schreckliche Erinnerungen

Fletcher und Stover haben von den Ex-Häftlingen schreckliche Erinnerungen zu hören bekommen. Einer berichtete, wie er stundenlang in einer unbequemen Haltung gefesselt und zusätzlich mit grellem Licht und extrem lauter Musik gequält wurde. "Erst einmal fühlst du nichts, dann nach einer Weile (...) bekommst du Krämpfe in den Oberschenkeln, am Hintern, in den Waden und dann werden deine Beine taub", zitieren die Wissenschaftler den Häftling.

Wie ein Monster behandelt

Auch der in Bremen geborene Türke Murat Kurnaz hat Schreckliches im Lager erlebt. Er habe unter Isolationshaft, Schlafentzug, religiösen und sexuellen Erniedrigungen, wiederholten Schlägen und endlosen Verhören gelitten, sagte er im Mai vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. "Ich habe nichts Schlechtes gemacht und wurde wie ein Monster behandelt."



Von Lucile Malandain, AFP  

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