Alois Mannichl ist wieder im Dienst. (Quelle: dpa)
Der Polizeichef von Passau, Alois Mannichl, hat Todesdrohungen erhalten. Mehrere anonyme Briefe sollen an seine Privatadresse geschickt worden sein, berichtet die Passauer Zeitung "Am Sonntag". Mannichl bestätigte den Erhalt der Schreiben.
In den Drohbriefen heißt es demnach: "Du Drecksau bist leider nicht gleich verreckt, aber du wirst jetzt langsam sterben!“ Mannichl habe sämtliche Briefe unverzüglich der Kriminalpolizei für weitere Ermittlungen übergeben. Die Experten führten jetzt Schriftvergleiche durch und werten die Briefe aus, meldete die Zeitung.
Die Drohungen werden sehr ernst genommen. Ein politischer Hintergrund sei in den Schreiben derzeit aber nicht zu erkennen. Der Polizeichef war am 13. Dezember vor seinem Wohnhaus niedergestochen worden. Hinter dem Attentat wurde zunächst ein Racheakt von Rechtsextremisten vermutet, weil der Polizeichef mehrfach gegen Neonazi-Aufmärsche vorgegangen war.
Verfassungsschutz zweifelt an Nazi-Täterschaft
Mittlerweile zweifeln Ermittler und Verfassungsschutz daran, dass es sich bei dem Mordanschlag auf Mannichl um ein eine Tat von Rechtsextremen gehandelt haben muss: "Hätten wir Hinweise, würden wir diese sofort weiterleiten. Das ist bisher nicht der Fall", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, gegenüber der Zeitung "Die Welt". Der derzeitige Ermittlungsstand erlaube aber noch keine abschließende Bewertung. Der Verfassungsschutz beobachtet die rechtsextreme Szene auch mit Hilfe von V-Leuten.
Staatsanwaltschaft spricht von "Merkwürdigkeiten"
Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, es gebe erhebliche Zweifel, dass die Bluttat von einem unbekannten Neonazi begangen wurde. Auch die ermittelnde Staatsanwaltschaft spreche von "Merkwürdigkeiten". So war kritisiert worden, dass sich Mannichl als erfahrener Polizist nur vage an den Messerstecher erinnert habe.
"Nationaler Widerstand" verbreitete Parole
Mannichl hatte gegenüber den Ermittlern ausgesagt, der Messerstecher habe ihm vor seiner Tat Grüße vom "Nationalen Widerstand" ausgerichtet. "Der häufig als Parole gebrauchte Begriff Nationaler Widerstand wird seit den Verbotsmaßnahmen in den Neunzigerjahren besonders von Neonazis verwendet, aber nicht ausschließlich", sagte Fromm. "Jedenfalls firmiert unter diesem politischen Label keine bestimmte Gruppe."
"Es ging um mein Leben"
Spekulationen über einen familiären Hintergrund des Angriffs wies Mannichl empört zurück. Ebenso wehrte er sich gegen den Vorwurf, sich nur vage an den Messerstecher zu erinnern. "So ein Unsinn, es war ziemlich dunkel, weil nur die Weihnachtsbeleuchtung brannte", sagte Mannichl. "Es ging um mein Leben - und sonst gar nichts."
"Ein ganz normaler Ermittlungsfall"
Die bislang erfolglose Fahndung nach dem Täter sei nicht ungewöhnlich. "Das ist ein ganz normaler Ermittlungsfall. Nur weil der Polizeidirektor das Angriffsziel ist, besteht für den Täter keine Veranlassung, die Visitenkarte an der Haustür zu hinterlassen. Polizeiarbeit gestaltet sich eben manchmal schwierig", sagte Mannichl gegenüber dem Magazin "Focus".
Polizeichef wieder im Dienst
Mannichl war vor wenigen Tagen wieder in den Dienst zurückgekehrt. Er habe noch gewisse Ängste, da der Täter noch nicht ermittelt sei, gestand er dem "Focus". "Davon darf man sich aber nicht lähmen lassen. Ich wünsche mir soviel Normalität wie nur möglich."