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"Das war ein sauberer Treffer"

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"Das war ein sauberer Treffer"

08.09.2009, 14:38 Uhr | Von Ulrike Demmer, Spiegel Online

Bundeswehrsoldat, afghanisches Kind in Chahar Darreh: "Wir sind keine Cowboys." (Foto: Reuters) Bundeswehrsoldat, afghanisches Kind in Chahar Darreh: "Wir sind keine Cowboys." (Foto: Reuters)

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan haben jahrelang Brunnen und Brücken gebaut. Jetzt werden sie beschossen - und sie schießen zurück. Die Reaktionen auf das Bombardement der Tankwagen verunsichert die Truppe in Kundus: Von Einheimischen werden die Deutschen gefeiert, von Bündnispartnern und Politikern heftig kritisiert.

"Das ist doch zum Kotzen", flucht einer. Die anderen starren betreten auf den Fernseher. In Kundus läuft das ZDF-"Mittagsmagazin". Und was die Moderatorin in Deutschland über den Einsatz berichtet, gefällt den Soldaten, die sich um den Fernseher im kleinen fensterlosen Büro des Presseoffiziers versammelt haben, überhaupt nicht.

"Wir stehen hinter unserem Oberst"

Dass deutsche Politiker und Regierungschefs aller Welt ihrem Kommandeur Oberst Georg Klein vorwerfen, er habe Zivilisten auf dem Gewissen, dass die Potsdamer Staatsanwaltschaft prüft, ob sie gegen ihn ermitteln muss, weil er zwei entführte Tanklaster bombardieren ließ - das hinterlässt bei allen im Camp Fassungslosigkeit. "Egal was wir machen, wir machen es falsch", fasst ein Feldwebel die Stimmung zusammen. "Wir stehen hinter unserem Oberst."

Jahrelang Brücken gebaut

Bad Kundus hieß das Camp, in dem sich die kleine Fernsehgemeinschaft zusammengefunden hat, lange Zeit. Weil es so grün und friedlich war im Tal zwischen den Ausläufern des Hindukusch. In Kundus im Norden Afghanistans haben deutsche Soldaten jahrelang Brunnen und Brücken gebaut, um das Land zu stabilisieren. Jetzt werden sie beschossen. Und sie schießen zurück.

Befehl in der Früh

Ihr Kommandeur Oberst Georg Klein gab am vergangenen Freitag um 1.39 Uhr in der Früh den Befehl, zwei Tanklaster zu bombardieren, die von Aufständischen entführt worden waren und als "rollende Bomben" durch die Provinz fuhren - für die Soldaten war dies die einzig richtige militärische Entscheidung.

Gestank von verbranntem Fleisch

"Das war ein sauberer Treffer", sagt Jörg K. Der 37-jährige Hauptfeldwebel sitzt mit zwei Kameraden in einem mit roten Rosen bewachsenen Innenhof des Stabsgebäudes, von dem aus alle Operationen geleitet werden. Die drei Männer gehören zu der Schutzkompanie in Kundus, die zwölf Stunden nach der Explosion den Ort des Geschehens untersucht hat. Gegen 12.30 Uhr am Freitag sind sie mit rund 80 Soldaten ausgerückt und zum Kundus-Fluss gefahren. Die zwei ausgebrannten Wracks auf der Sandbank mitten im Fluss qualmten noch. Der Gestank von verbrannten Fleisch hing in der Luft.

"Die, die dort umgekommen sind, waren keine Schäfchen"

Dass dort auch unschuldige Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen, kann der Soldat nicht glauben. "Das nächste Dorf liegt kilometerweit entfernt, was haben Zivilisten nachts auf einer Sandbank im Fluss zu suchen", gibt Jörg K. zu bedenken. "Die, die dort umgekommen sind, waren keine Schäfchen."

50-Dollar-Taliban

Der Feldwebel erzählt von "Teilzeit-Insurgents" und "50-Dollar-Taliban", Zivilisten, die sich für wenig Geld anheuern lassen, um den Taliban zu helfen. Dass die Taliban den Treibstoff aus den Tankwagen an die Bevölkerung der umliegenden Dörfer habe verschenken wollen, hält er für "Blödsinn". "Die Taliban spielen doch nicht nachts um halb drei Robin Hood", sagt Jörg K. Seine Stimme wird lauter. Sonst schildert er seine Eindrücke nüchtern und konzentriert.

Kalaschnikows aufgesammelt

"Ich habe gesehen, wie die Afghanen die verkohlten Reste der Kalaschnikows aufgesammelt und abtransportiert haben." Waffen, mit denen die Taliban sie in den vergangenen Monaten oft ins Gefecht verwickelt haben.

Kommandeur alles richtig gemacht

Der beste Beleg dafür, dass sein Kommandeur alles richtig gemacht hat, ist für Jörg K. der Jubel, mit dem er am Kundus-Fluss begrüßt worden ist. Rund hundert afghanische Soldaten und Polizisten hätten stolz ihre Waffen in die Luft gestreckt, ihre Daumen gezeigt.

Geld von Einheimischen

"Einige haben uns sogar Geldscheine zugesteckt", sagt der Feldwebel und zieht ein fingerdickes Bündel Banknoten, Hundert-Afghani-Scheine, aus der Hosentasche. Allein von dem, was er eingesteckt hat, könne eine Familie Brot und Gemüse für eine Woche kaufen. Der Mullah im benachbarten Dorf habe sich zum Dank für die getöteten Taliban sogar vor ihnen verneigt und seine rechte Hand auf die Brust gelegt.

"Wir sind keine Cowboys"

"Wir sind keine Cowboys", sagt der Feldwebel und erinnert an die acht Soldaten, die derzeit im Lazarett in Kundus liegen, weil sie im Gefecht oder bei einem Selbstmordattentat verletzt worden sind.

"Ich hoffe, am Leben zu bleiben"

Jörg K. hat inzwischen 70 Tage Afghanistan-Einsatz ohne sichtbare Verletzungen überstanden. 64 Tage bleiben ihm noch. Was erwartet er noch vom Einsatz? "Ich hoffe, am Leben zu bleiben."


Von Ulrike Demmer, Spiegel Online  

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