George Bush (l.) und der irakische Premier Nuri al-Maliki bei der Pressekonferenz. Im Kreis sieht man den fliegenden Schuh
Mit Blitzbesuchen im Irak und in Afghanistan hat sich der scheidende US-Präsident George W. Bush von den amerikanischen Soldaten und den Regierungen in den größten Krisengebieten seiner Amtszeit verabschiedet. Der Empfang war allerdings nicht überall herzlich. Während einer Pressekonferenz in Bagdad bewarf ein wütender Iraker den Präsidenten mit seinen Schuhen und beschimpfte ihn: "Das ist der Abschiedskuss, Du Hund."
Der Werfer - ein Mitarbeiter des Fernsehsenders Al-Bagdadija - verfehlte sein Ziel, er wurde für einige seiner Landsleute aber schlagartig zum Helden.
"Wir gratulieren ihm zu seinem mutigen Auftreten", erklärte die regierungskritische irakische Nachrichtenagentur INA. Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten sprach von einem "historischen Moment", in dem Bush und der Weltöffentlichkeit gezeigt worden sei, "was die Iraker von der Besatzung halten". Im Bagdader Stadtteil Sadr City gingen Hunderte Menschen auf die Straße und drohten Bush mit weiteren Schuhwürfen. Auf zwei vorbeikommende Fahrzeuge der US-Armee prasselten reihenweise Schuhe nieder.
"Ein Schuh der Größe zehn"
Die irakische Regierung um Ministerpräsident Nuri al-Maliki verurteilte die Attacke als "schändlichen Akt" und forderte den Privatsender El Bagdadia zu einer Entschuldigung auf. Bush selbst reagierte gelassen. Den anfliegenden Schuhen wich er zunächst geschickt aus, dann kommentierte er den Angriff auf souveräne Art und Weise: "Wen es interessiert - es war ein Schuh der Größe zehn, den er auf mich geworfen hat." Er habe sich nicht bedroht gefühlt, so Bush.
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Sicherheitsabkommen besiegelt
Bush und Maliki besiegelten während des Kurzbesuchs symbolisch das Sicherheitsabkommen zwischen beiden Staaten, das den Abzug der US-Truppen bis 2011 vorsieht. "Der Krieg ist noch nicht vorbei", sagte der US-Präsident. Nach einem Treffen mit dem irakischen Präsidenten Dschalal Talabani hatte Bush erklärt, die Arbeit an dem Dokument sei nicht leicht gewesen. "Es ist aber nötig für die Sicherheit der USA, die Hoffnungen im Irak und für den Weltfrieden." Das irakische Parlament hatte das Abkommen vor drei Wochen abgesegnet.
"Wesentlich freier und sicherer"
Zu US-Soldaten am Flughafen Bagdad sagte Bush, ihnen sei es zu verdanken, dass der Irak heute "wesentlich freier, wesentlich sicherer und wesentlich besser dran ist" als zu Beginn seiner Amtszeit vor acht Jahren.
Bessere Bedingungen als 2001
Auch nach seiner Ankunft in Kabul sagte er, die Bedingungen in Afghanistan seien "viel besser, als sie es 2001 waren". Damals hätten "amerikanische Truppen mit Stolz das afghanische Volk befreit". Die radikalislamischen Taliban versuchten nun, an die Macht zurückzukehren. "Sie können den Gedanken einer freien Gesellschaft nicht ertragen." Die USA würden Afghanistan zum Erfolg verhelfen, "egal, wie lange es dauert".
Nur zweimal in Afghanistan
Bush hatte Afghanistan zuvor nur einmal im März 2006 besucht. Er hatte den US-geführten Einmarsch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 angeordnet, als das Taliban-Regime sich weigerte, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden auszuliefern. Bin Laden ist bis heute nicht gefasst.