13.06.2011, 20:05 Uhr
Sechs weitere Arbeiter des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi sind möglicherweise deutlich über die erlaubte Dosis hinaus verstrahlt worden. Das geht aus vorläufigen Untersuchungsergebnissen hervor, die das Gesundheits- und Arbeitsministerium in Tokio veröffentlichte. Damit wären bislang mindestens acht Beschäftigte einer zum Teil drastisch überhöhten radioaktiven Belastung ausgesetzt gewesen.
Drei von ihnen hatten in den Kontrollräumen der Reaktoren 3 und 4 gearbeitet, die übrigen fünf waren nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom 11. März mit der Wiederherstellung der Stromversorgung beschäftigt. Inzwischen wurden sie mit Schreibtischtätigkeiten beauftragt, wie die AKW-Betreiberfirma Tepco mitteilte. Keiner von ihnen weise unmittelbare gesundheitliche Probleme auf, doch würden sie wegen des erhöhten Krebsrisikos langfristig überwacht.
Tadeshi Mori, im Gesundheitsministerium für Arbeitsmedizin zuständig, nannte die sechs weiteren Fälle "äußerst bedauerlich". Wenn sich die Testergebnisse bestätigten, werde das Ministerium wegen Verstoßes gegen die Grenzwerte "angemessene Schritte" gegen Tepco unternehmen.
Die Regierung hatte kurz nach dem Unglück den zulässigen Jahresgrenzwert der Strahlenbelastung bei Menschen von 100 auf 250 Millisievert erhöht, damit die Rettungsarbeiten überhaupt aufgenommen werden konnten. Mindestens 90 weitere Beschäftigte haben nach Ministeriumsangaben mehr als die ursprünglich erlaubten 100 Millisievert abbekommen, einige davon liegen nahe am neuen Grenzwert von 250 Millisievert.
Die Atomsicherheitsbehörde NISA hatte am Freitag bekannt gegeben, dass zwei Arbeiter einer mehr als doppelt so hohen Dosis ausgesetzt waren. Sie tadelte Tepco und verlangte einen Untersuchungsbericht binnen einer Woche. Die zwei Reaktorfahrer im Kontrollraum waren NISA-Sprecher Hidehiko Nishiyama zufolge über 600 Millisievert ausgesetzt - so viel wie bei 100 Computertomografien, hauptsächlich durch das Einatmen radioaktiver Partikel.
Die sechs neu dazu gekommenen Beschäftigten waren möglicherweise Strahlendosen von 265 bis 498 Millisievert ausgesetzt, als am 12. März eine Wasserstoffexplosion den Reaktorblock 1 beschädigte, wie Tepco-Sprecher Junichi Matsumoto sagte. Der Energiekonzern hat bereits eingeräumt, dass in den chaotischsten und gefährlichsten ersten Tagen Arbeiter keine Masken und womöglich auch keine sonstige Schutzkleidung trugen und keine Dosimeter hatten, um ihre Strahlenbelastung direkt ablesen zu können. "Die Arbeiter hatten ihre Sicherheitsanweisungen, aber ich glaube, die sind ihnen in der Krise wohl entfallen", sagte Matsumoto.
Tepco ziehe Arbeiter jetzt aus dem AKW ab, wenn ihre Belastung 150 Millisievert überschreite, sagte er. Es wurde nicht klar, ob neben den acht Betroffenen noch weitere Beschäftigte an andere Arbeitsplätze versetzt wurden.
Von den fast 4000 Menschen, die im März in dem Atomkraftwerk gearbeitet hatten, sind bislang ungefähr die Hälfte auf Verstrahlung untersucht worden. Weitere Untersuchungen stehen noch an. Mori schloss nicht aus, dass noch weitere Beschäftigte die Grenzwerte überschreiten.
Eine Dosis von 500 Millisievert kann die Lymphozyten schädigen und das Immunsystem schwächen. Die Strahlenkrankheit mit Übelkeit und Haarausfall kann ab 1000 Millisievert auftreten.
Quelle: dapd
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